Ökonomik des Marktfruchtbaus

Mähdrescher entlädt Getreide in einen Anhänger

Dr. Michael Ammich

Die Wirtschaftlichkeit der Mähdruschfrüchte im Erntejahr 2025 wurde maßgeblich sowohl durch ein überregionales als auch globales Überangebot bei Getreide und Körnermais bestimmt.

Auch in Bayern führten Anbauausweitungen und überdurchschnittliche Erträge zu einem Überangebot an Getreide und Mais und somit zu niedrigen Erzeugerpreisen. Andererseits liegen die Kosten für Produktionsmittel seit 2023 auf einem unverändert hohen Niveau. Im Ergebnis liegen die vorläufigen Deckungsbeiträge bei den Mähdruschfrüchten im Erntejahr 2025 deutlich unter denen der Vorjahre.

Ertragsentwicklung in Bayern

Grundsätzlich sind die Erträge von Getreide und Raps der Ernte 2025 deutlich positiver ausgefallen als es die Bestandsentwicklung im Frühjahr erwarten ließ. Im August 2024 waren durchaus günstige Aussaatbedingungen für Winterraps und ab Oktober auch für Winterweizen gegeben – Wintergerste dagegen konnte nur zeitverzögert ausgesät werden.
Im bayerischen Durchschnitt lagen die Getreideerträge 2025 etwa 10 % über dem Jahresmittel 2020/24 und 14 % über dem Vorjahr 2024. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Januar 2026) hat vor allem die Wintergerste spürbar zugelegt – von 66,3 dt/ha (2020/24) auf 74,5 dt/ha. Winterweizen konnte sein Ergebnis von 73,3 dt auf 77,2 dt/ha verbessern (+ 5 %). Der Körnermaisertrag liegt mit 114,7 dt/ha sowohl über dem guten Vorjahresergebnis von 105,4 dt/ha als auch deutlich über dem fünfjährigen Durchschnitt von 101,6 dt/ha. Der Winterraps enttäuschte hingegen mit durchschnittlichen 36,4 dt/ha, er hat somit nicht nur sein Vorjahresergebnis (37,4 dt/ha) unterschritten, sondern verfehlte auch deutlich seinen fünfjährigen Ertragsdurchschnitt von 38,3 dt/ha um etwa 5 %.

Weltweite Produktion und Verbrauch von Getreide

Die US-amerikanische Landwirtschaftsbehörde USDA schätzte im Januar 2026 die globale Getreideerzeugung (ohne Reis) des Jahres 2025/26 auf 2.433 Mio. t. Beim zeitgleichen Verbrauch wird mit 2.416 Mio. t gerechnet (siehe Abbildung 1).
Grafik zur weltweiten Produktion und Verbrauch von GetreideZoombild vorhanden

Abbildung 1: Entwicklung von globaler Getreideerzeugung und -verbrauch

Sieht man vom Vorjahr 2024/25 ab, liegt der weltweite Verbrauch an Getreide seit 2021/22 relativ nahe an der zeitgleichen Erzeugung - ein wichtiger Nachfrageimpuls ist somit nicht gegeben. Bei der globalen Weizenversorgung wird die Situation noch deutlicher: Den geschätzten 842,2 Mio. t. an Erzeugung stehen 823,9 Mio. t. an mutmaßlichem Verbrauch gegenüber.

Entwicklung der Getreidepreise in Bayern

Die bisherige Getreidepreisentwicklung der Ernte 2025/26 wurde in Europa und somit auch in Bayern deutlich von einem relativen Angebotsüberschuss bestimmt. In Deutschland stieg die Getreideernte (inkl. Körnermais) 2025 - sowohl durch höhere Erträge pro Hektar als auch durch leicht vergrößerte Anbauflächen - im Vergleich zu 2024 deutlich von 39,0 Mio. t auf 45,3 Mio. t an - ein Zuwachs von 16 %. Wie bereits erwähnt liegt die weltweite Getreideproduktion auf Rekordniveau bzw. auf erhöhtem Niveau im Vergleich zum Vorjahr. Diese komfortable Versorgungslage dämpft tendenziell das Preispotenzial auf den globalen Leitbörsen (z. B. MATIF/Euronext) und überträgt sich auf die Inlandspreise, da Importe mit einem hohen Lagerdruck konkurrieren. Ein starker Euro gegenüber dem US-Dollar oder anderen bedeutenden Referenzwährungen verteuert Exporte von Getreide in Drittstaaten, weil Käufer in Dollar oder anderen Fremdwährungen mehr bezahlen müssen. Das kann die Wettbewerbsfähigkeit deutscher bzw. europäischer Getreidepreise gegenüber Konkurrenzmärkten verringern. Der jährliche Preisrutsch in Bayern bei Körnermais im Oktober (siehe Abbildung 2) wird durch den lokalen Angebotsüberhang und der Verkaufsbereitschaft der Landwirtschaft bei Feuchtmais zur Ernte zusätzlich verstärkt.
Grafik zur Entwicklung der durchschnittlichen Erzeugerpreise für Druschgetreide in BayernZoombild vorhanden

Abbildung 2: Entwicklung der durchschnittlichen Erzeugerpreise für Druschgetreide in Bayern

Der Rapspreis in Bayern wird stark von den Notierungen an den Terminbörsen (z. B. Euronext) und globalen Referenzwerten beeinflusst. Handel und Industrie orientieren sich dort an Exportniveaus und Crush-Margen (Verarbeitung zu Öl und Schrot). Die Erzeugerpreise für Raps lagen im Januar 2026 in Bayern im Bereich um 44,0 - 46,0 €/dt (ohne MwSt.), sie wurden im Vergleich zu Vorjahreswerten eher moderat angepasst. Die Nachfrage nach Ölsaaten wie Raps bleibt ein preistreibender Faktor, weil sie sowohl in der Ölproduktion als auch als Futtermittel eingesetzt werden. Eine stabile industrielle Nachfrage kann daher selbst bei relativ hohem Angebot die Preise stützen.

Produktionsmittelpreise

Grafik mit Indexpreisen für wichtige Betriebsmittel Zoombild vorhanden

Abbildung 3: Indexpreise für wichtige Betriebsmittel

Neben der Ertrags- und Erzeugerpreisentwicklung sind für die Wirtschaftlichkeit einer Marktfrucht die proportionalen und disproportionalen Spezialkosten (die sog. variablen Kos-ten) ausschlaggebend. Von besonderer Bedeutung ist die Kostenentwicklung z. B. für Saat-gut, Düngemittel oder Treibstoffe (siehe Abbildung 3).
Eine einfache Möglichkeit die Entwicklung der Betriebsmittelpreise zu beurteilen, bietet der Indexvergleich. Analog zur Berechnung der Inflationsrate werden hierbei die Preise zu ei-nem Stichtermin (hier: Januar 2015) mit 100 % bewertet, die Kostensteigerungen hingegen in % des Ausgangswerts.
Erkennbare Tendenzen:
Während sich die Preise für Pflanzenschutzmittel und Saat-/Pflanzgut eher stetig entwickelten, reagierten Düngemittel und Treibstoffe ausgesprochen volatil. Ein Zusammenhang zwischen Treibstoff- (Energie-) und den Düngemittelpreisen ist hierbei unverkennbar. Der drastische Anstieg der Kosten für energieintensive Produktionsmittel ab Sommer 2021 hat sich zwar ab Sommer 2023 wieder beruhigt, allerdings liegt das Preisniveau mit 150 % bis 175 % deutlich über dem Ausgangsniveau der Jahre 2015 bis 2020.
Ein Praxisbeispiel verdeutlicht dies: Ein Körnermais konnte bei einem Ertragsniveau von 120 dt (trockene Ware) zur Ernte 2020 noch mit Kosten für Diesel (ohne Drusch) von ca. 71 €/ha, mit Nährstoffkosten von ca. 295 €/ha und Trocknungskosten von ca. 510 €/ha erzeugt werden (inkl. MwSt.). Im Erntejahr 2025 waren es ca. 100 €/ha für Diesel, 430 €/ha für die Düngung und 665 €/für die Trocknung, in Summe also etwa 320 €/ha höhere Kosten, welche den Körnermais mit Mehrkosten von 2,66 €/dt belasten.

Vorläufige Deckungsbeiträge (2025) im bayerischen Durchschnitt

Die wirtschaftlichen Ergebnisse der Mähdruschfrüchte 2025 dürften bei den Marktfruchtbau-Betrieben in Bayern grundsätzlich eine herbe Enttäuschung bedeuten. Im Vergleich zum Durchschnitt der letzten fünf Erntejahre 2020/2024 haben die Deckungsbeiträge bei Getreide, Raps und Leguminosen z. T. drastisch verloren (siehe Tabelle 1).
Die höchsten Deckungsbeiträge wurden nach Stand Ende Januar 2026 von Dinkel, Winterhartweizen und Winterraps erzielt, wobei Dinkel als einzige Druschfrucht im Vergleich zum Durchschnitt 2020/24 zulegen konnte, allerdings nicht das Vorjahresniveau 2024 erreichte.
Winterraps (40 % Öl) erzielte als flächenbedeutsame Kultur im bayerischen Durchschnitt einen Deckungsbeitrag von etwa 540 €/ha, womit er nicht nur knapp das Vorjahresniveau verfehlte, sondern auch sämtlich hierbei Winterweichweizen (mit Ausnahme des Dinkels) überholte.
Tabelle 1: Deckungsbeiträge 2025 im Vergleich zu den Vorjahren
Tabelle 1: Deckungsbeiträge 2025 im Vergleich zu den Vorjahren
Deckungsbeiträge2025
20242020/242025 zu 2020/24
Druschfrucht1€/ha€/ha€/ha+/- %
Dinkel90596869031%
Winter-Hartweisen 751664829-9%
Winterraps539560727-26%
Winterweizen (E)475668767-38%
Winterweizen (A)411555715-43%
Sojabohnen380530611-38%
Winterweizen (B)360390631-43%
Körnermais1)357637776-54%
Winterweizen (Futter)291323580-50%
Sommerweizen280363829-66%
Wintergerste (2-z)23377310-25%
Sommerbraugerste206293414-50%
Körnermais2)175514644-73%
Sonnenblumen116-9,41142%
Triticale10147232-56%
Hafer8089170-53%
Winterroggen (Hy)5652250-78%
Futtererbsen-80-3532-350%
Ackerbohnen-295-55-241129%
1) Stand: Januar 2026 / Erläuterung siehe Tabellen 3 und 4
2) Trocknungskosten 4,73 Euro/dt (trockene Ware)
3) Trocknungskosten 6,32 Euro/dt (trockene Ware)
Besonders enttäuschend fiel das wirtschaftliche Ergebnis für den Körnermais in Bayern aus - trotz eines Rekordertrages von fast 115 dt/ha trockene Ware kommt er mit ca. 360 €/ha an Deckungsbeitrag unter der Sojabohne und ranggleich mit Brotweizen zu liegen.
Tabelle 2: Vorläufige Deckungsbeiträge für Winterungen in Bayern (Ernte 2025)
Tabelle 2: Vorläufige Deckungsbeiträge für Winterungen in Bayern (Ernte 2025)
FruchtartE.Elite-
weizen
Qualitäts-
weizen
DinkelHart-
weizen
Hybrid-
roggen
Winter-
gerste
TriticaleWinter-
raps 7)
Ertrag1)dt/ha73,677,269,568,762,474,562,936,4
Verkaufsware%98981007598100100100
Futterware%22-252---
Marktware (netto)2)€/dt19,9317,9625,9726,5015,3115,9115,0243,83
Futterware (netto)2)€/dt15,5615,5615,5615,5614,32---
Bruttopreis3)€/dt21,3919,3128,0025,6216,4817,1516,1947,25
Marktleistung€/ha1.5741.4911.9461.7601.0291.2781.0181.720
Sonst. Leistungen4)€/ha-------
Leistungen gesamt€/ha1.5741.4911.9461.7601.0291.2781.0181.720
Saatgut€/ha112105179149187120111118
Düngung€/ha380365299298243305258303
Pflanzenschutz€/ha164164126127113184141226
Maschinenkosten5)€/ha328329322324317322317356
Hagelversicherung€/ha2826343114271896
Trocknung€/ha8690818097877450
Reinigung€/ha-------31
Summe variable Kosten€/ha1.0981.0801.0411.0099721.0449171.180
Deckungsbeitrag€/ha47541190575156233101539
Arbeitszeitbedarf6)AKh/ha6,16,15,85,95,75,85,76,2
1) Stand: Januar 2026
2) Ab Ernte mit Januar 2026
3) 7,8% MwSt.
4) z.B.: Nebenprodukte
5) 5 Hektare Schlag
6) Allgemeine und Lager- bzw. Sortierarbeiten sind nicht berücksichtigt
7) 40% Ölgehalt
In Gebieten mit höheren Trocknungskosten fiel er sogar hinter die Sommerbraugerste zurück. Für Winterroggen (Backqualität) der Ernte 2025 lässt sich nur ein Deckungsbeitrag von etwa 60 €/ha errechnen. Es stellt sich die Frage, ob dieses wertvolle Brotgetreide von der Verwertungsseite her nicht heillos unterbewertet wird.
Besonders drastisch ist die Situation für die heimischen Körnerleguminosen zu sehen: Während sie im Durchschnitt 2020/24 noch Deckungsbeiträge knapp über (Futtererbsen) oder knapp unter der schwarzen Null (Ackerbohnen) erzielten, fiel ihr Ergebnis 2025 deutlich negativ aus.
Einen betriebswirtschaftlichen Erfolg können sie daher nur in Verbindung mit staatlichen Förderprogrammen (z. B. KuLaP) erbringen. Ein Vergleich der Erträge, der Leistungen und der Kosten der Mähdruschfrüchte sind in den Tabellen 2 und 3 zu finden.
Tabelle 3: Vorläufige Deckungsbeiträge für Sommerungen in Bayern (Ernte 2025)
Tabelle 3: Vorläufige Deckungsbeiträge für Sommerungen in Bayern (Ernte 2025)
FruchtartE.Sommer-
weizen
Sommer-
gerste
Sonnen-
blumen
Körnermais (I)Körnermais (II)7)Achker-
bohnen
Futter-
erbsen
Soja-
bohnen
Ertrag1)dt/ha56,355,922,9114,7114,721,130,633,0
Verkaufsware%9574100100100100100100
Futterware%526------
Marktware (netto)2)€/dt19,9317,9440,9316,8516,8519,8520,2138,47
Futterware (netto)2)€/dt15,5615,91------
Bruttopreis3)€/dt21,2518,7744,1218,1618,1621,4021,7941,47
Marktleitstung€/ha1.1961.0491.0102.0832.0834526671.369
Sonst. Leistungen4)€/ha-----283644
Leistungen gesamt€/ha1.1961.0491.0102.0832.0834807031.412
Saatgut€/ha150121142245245183134319
Düngung€/ha2622072024124126387122
Pflanzenschutz€/ha99111108117117134123120
Maschinenkosten5)€/ha318317328366366315315318
Hagelversicherung€/ha2122574444132838
Trocknung€/ha666538725542395673
Reinigung€/ha-----284043
Summe variable Kosten€/ha9168438951.9091.7267747831.033
Deckungsbeitrag€/ha280206116175357-295-80380
Arbeitszeitbedarf6)AKh/ha5,75,75,35,95,95,15,05,1
1) Stand: Januar 2026
2) Ab Ernte mit Januar 2026
3) 7,8% MwSt.
4) z.B.: Gärrestwert; N-Lieferung an Folgefrüchte
5) 5 Hektare Schlag
6) Allgemeine und Lager- bzw. Sortierarbeiten sind nicht berücksichtigt
7) Trocknungskosten 4,73 Euro/ dt (trockene Ware - inkl. MwSt.)

Aussichten und Prognosen

Die Rohstoffmärkte und somit die Erzeugerpreise werden sich auch in Zukunft volatil verhalten. Es sind zum einen - nach wie vor - Angebot und Nachfrage, die den jeweiligen Preis bestimmen, zum anderen sind es politische Wechselwirkungen wie die Währungs- und Zollpolitik, aber auch kriegerische Konflikte. Weiterhin bedeutsam sind auch Preisschwankungen des Energiesektors - dies kann einerseits die Produktion verteuern (Diesel-/Düngemittelpreis), andererseits positive Impulse für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse bedeuten (Rapspreis).
Die derzeitigen Signale der Warenterminbörsen (z. B. MATIF) deuten für die Ernte 2026 auf ein Erzeugerpreisniveau in etwa von 2025 hin.
Für den landwirtschaftlichen Betrieb wird es dadurch zunehmend schwieriger, einen optimalen Verkaufszeitpunkt bzw. die optimale Verkaufsstrategie zu wählen. Um die Preisrisiken zu minimieren, empfiehlt sich grundsätzlich die gesplittete Vermarktung der Ernteprodukte - und zumindest teilweise - über Vorverträge beim Landhandel oder Preisabsicherungen an den Warenterminbörsen (z. B. indirekt über Erzeugergemeinschaften oder diverse Vorvertragsmodelle).