Pressemitteilung – 08. April 2026, Freising
Grünland: Unterschiedliche Intensität bewusst nutzen

"Abgestufte Grünlandnutzung – Hype oder Chance?" Unter diesem Motto standen in diesem Jahr die Weihenstephaner Grünlandgespräche der drei am Campus tätigen Organisationen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) und Technischen Universität München (TUM). Unterstützt durch die Arbeitsgemeinschaft Grünland und Futterbau (AGGF) diente die Veranstaltung dem Austausch zwischen Forschern, Mitarbeitenden der Fachverwaltungen aus dem Bund, den Bundesländern sowie Beratern und Lehrern aus den Fachverwaltungen, den Verbänden und dem universitären Bereich. Das Format, das bereits zum vierten Mal stattfand, ist ein fester Bestandteil der Kooperation am Campus Weihenstephan.

LfL-Vizepräsidentin Dr. Annette Freibauer am Podium. Zoombild vorhanden

LfL-Vizepräsidentin Dr. Annette Freibauer bei der Eröffnung der 4. Weihenstephaner Grünlandgespräche (Foto: Christoph Wedmann, LfL).

Die gute Zusammenarbeit der Forschungsorganisationen, aber auch die Bedeutung des Grünlands für die bayerische Landwirtschaft stellten sowohl LfL-Vizepräsidentin Dr. Annette Freibauer, TUM-Prodekan Prof. Dr. Wilfried Schwab wie auch HSWT-Dekan Prof. Dr. Martin Spreidler bei ihren Eingangsstatements heraus. Die enge Kooperation in Weihenstephan sei der Schlüssel für die Bewältigung der zahlreichen Ansprüche des Grünlands.

Am ersten Tag standen die Inputs aus aktuellen Projekten im Fokus. Das Projekt "BioBayGrün" beispielsweise beschäftigt sich mit der Biodiversitätsveränderungen im bayerischen Dauergrünland von 1950 bis heute. Bearbeitet wird es von allen drei Freisinger Wissenschaftsorganisationen gemeinsam. Um Veränderungen in der Diversität bayerischer Grasländer und mögliche Ursachen über einen Zeitraum von 70 Jahren zu untersuchen, hat die LfL in ganz Bayern durchgeführte Vegetationserhebungen in landwirtschaftlichem Grünland und umfangreiche historische Daten ausgewertet. Dabei zeigte sich zwar eine generelle Abnahme der Artenzahlen, allerdings wurden auch gute Erfolge durch die Maßnahmen des Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) festgestellt. Zudem wurde eine immer noch große Vielgestaltigkeit – auch kleinräumig – des Grünlands belegt.

Die Ergebnisse des Projekts "Seedmix", die von Forschenden der Forschungsanstalt Raumberg Gumpenstein vorgestellt wurden, zeigten eindrücklich den großen Wert von Saatgutmischungen, die gezielt auf Nutzung, Zielumwelt sowie für Neuansaat und Nachsaat zusammengestellt sind.

Der Workshop am zweiten Tag traf ebenfalls auf großes Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Vertreter aus Österreich wie auch Bayern erläuterten dabei die Nutzung KI-basierter IT-Verfahren, um satellitengestützt Schnitttermine und -häufigkeiten sowie die Diversität ihres jeweiligen Grünlands zu erfassen. In Bayern hat sich dabei laut den Referenten die Ergebniskongruenz ganz unterschiedlicher Ansätze (Grünlandmonitoring und Fernerkundung) gezeigt.

In Impulsbeiträgen von Fachleuten aus verschiedenen Bundesländern wurde die große Unterschiedlichkeit der Probleme des Grünlands in ganz Deutschland deutlich. Die Vortragenden warben dabei für den Erhalt, aber auch die treffsichere einzelbetriebliche Wahl vielfältiger Lösungsansätze und die Nutzung neuer digitaler Möglichkeiten. Einig war man sich, dass eine auch betrieblich vielfältige Grünlandnutzung nur durch die enge Zusammenarbeit von Pflanzenbauern und Tierernährer gelingen kann, die beide den Gesamtbetrieb und seine Erfordernisse im Auge haben. Nur ein hinreichendes Netz auch wirtschaftlich resilienter Betriebe könne die vielfältigen Anforderungen an das Grünland nachhaltig leisten. Ebenso wichtig sei es aber auch, der breiten Bevölkerung wieder Zusammenhänge zwischen Grünland, Nahrungsmittelversorgung, Artendiversität und Klimaschutz bewusster zu machen.

LfL-Vizepräsidentin Dr. Annette Freibauer am Podium.

LfL-Vizepräsidentin Dr. Annette Freibauer bei der Eröffnung der 4. Weihenstephaner Grünlandgespräche (Foto: Christoph Wedmann, LfL).

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Gruppenbild der Teilnehmer vor dem Eigang der LfL.

Das Interesse an den 4. Weihenstephaner Grünlandgesprächen war groß (Foto: Christoph Wedmann, LfL).

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Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ist das Wissens- und Dienstleistungszentrum für die Landwirtschaft in Bayern. Sie ist dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus unmittelbar nachgeordnet und erarbeitet Entscheidungsgrundlagen für Landwirte und Berater sowie die Politik und Verwaltung. Die Hauptstandorte der LfL sind Freising und Grub-Poing. Ihre Aufgabenfelder sind die anwendungsorientierte Forschung, die Ausbildung, die Beratung und der Hoheitsvollzug. Mit Ihrer Arbeit unterstützt die LfL eine nachhaltige und ressourcenschonende Landwirtschaft sowie eine vielfältige Kulturlandschaft.