Test eines Ergänzungsfutters mit Eipulver in der Ferkelaufzucht

Ferkel von vorne

Für eine erfolgreiche Ferkelaufzucht steht eine alters- und bedürfnisgerechte Rationsgestaltung mit Deckung des Energie- und Nährstoffbedarfs sowie die Vermeidung von Infektionen, insbesondere Durchfall im Vordergrund. Dabei muss der Übergang zwischen Säugen und Aufzucht gut gelingen. Aktuell wird in dieser kritischen Phase unter anderem auch der Einsatz von Eipulver diskutiert. Eipulver ist reich an Immunoglobulinen und stärkt somit die Vitalität. Als Paste wird der Einsatz bereits bei neugeborenen Ferkeln beworben. Für das Absetzfutter wird der Einsatz von Eipulver wird bereits bei der Rezeptur entsprechender Ergänzungsfuttermittel berücksichtigt.
In vorliegender Untersuchung wurde deshalb ein derartiges Ergänzungsfutter mit Eipulver mit einer konventionellen Aufzuchtstrategie ohne Eipulverzusatz verglichen.

Material und Methode

Die Fütterungsstudien mit Eipulver wurden von September bis November 2023 (Durchgang 1) und von Februar bis März 2025 (Durchgang 2) am Ausbildungs- und Versuchszentrum des Staatsguts Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter durchgeführt. Dazu wurden jeweils 192 schwanzkupierte Ferkel d) nach Körpermasse, Abstammung und Geschlecht ausgewählt und gleichmäßig auf folgende Gruppen aufgeteilt.
  • "Kontrolle": Rationen mit einem hochwertigen Ergänzungsfutter (Einsatzrate 50 %)
  • "Eipulver": Rationen mit einem Ergänzungsfutter mit Eipulveranteil (Einsatzrate 30 %)
Zu Versuchsbeginn waren die Ferkel im Mittel vier Wochen alt und wogen 7,6 kg (Durchgang 1) beziehungsweise 7,8 kg (Durchgang 2). Beide Durchgänge gliederten sich in jeweils drei Fütterungsabschnitte von jeweils zwei Wochen Dauer.
In beiden Durchgängen wurden in den ersten beiden Wochen nach dem Absetzen die unterschiedlichen Ergänzungsfuttermittel (Standard beziehungsweise Eipulver) eingesetzt. In den Fütterungsabschnitten 2 und 3 erhielten die Tiere beider Gruppen einheitliche Ferkelaufzuchtfutter.
In Durchgang 2 wurde das Ergänzungsfutter mit Eipulver etwas länger eingesetzt. So wurde in der ersten Woche des 2. Fütterungsabschnitts das Futter mit dem eipulverhaltigen Futter von Fütterungsabschnitt 1 verschnitten.

Ergebnisse

Durchgang 1

Körpermasseentwicklung und tägliche Zunahmen
Wie die nebenstehende Abbildung veranschaulicht, bewegten sich in Durchgang 1 die Körpermassen der Tiere beider Gruppen nach der 3. Versuchswoche auf unterschiedlichen Niveaus. Am Versuchsende wiesen die Tiere der Kontrollgruppe mit 26,4 kg eine signifikant höhere Körpermasse auf als die der Eipulvergruppe mit 25,5 kg. Dies spiegelte sich auch in den täglichen Zunahmen wider, die in der Kontrollgruppe in der zweiten Phase (459 g gegenüber 383 g) und auch insgesamt (457 g gegenüber 438 g) signifikant höher lagen.
Futterverbrauch und Futteraufwand
Der Futterverbrauch war in Durchgang 1 in den ersten zwei Phasen in der Kontrollgruppe signifikant höher als in der Eipulvergruppe. In Phase III konnte der Unterschied nicht statistisch abgesichert werden. Im Mittel wurde mit 673 g pro Tier und Tag in der Eipulvergruppe signifikant weniger Futter verbraucht als in der Kontrollgruppe mit 744 g. Die Abbildung veranschaulicht den Futterverbrauch der beiden Versuchsgruppen vom Absetzen bis zur Aufstallung in die Mast.
Der Futteraufwand war in der Eipulvergruppe mit 1,51 kg pro kg Zuwachs signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe mit 1,62 kg.

Durchgang 2

Körpermasseentwicklung und tägliche Zunahmen
In Durchgang 2 hatten die Tiere der Kontrollgruppe nach der ersten und zweiten Versuchswoche eine signifikant höhere Körpermasse. Zu Versuchsende wiesen die Tiere der Kontroll- beziehungsweise der Eipulvergruppe mit 26,8 kg beziehungsweise. 27 kg eine nahezu gleich hohe Körpermasse auf (siehe auch gegenüberliegende Grafik). Dies spiegelte sich auch in den täglichen Zunahmen wider, die im Mittel in der Kontrollgruppe bei 463 g und der Eipulvergruppe bei 471 g lagen. Während in der Fütterungsphase I die Tiere der Kontrollgruppe mit 281 g gegenüber 244 g signifikant höhere tägliche Zunahmen erreichten, war es in Fütterungsphase II umgekehrt. Hier wurden in der Eipulvergruppe mit 480 g gegenüber 434 g signifikant höhere tägliche Zunahmen erzielt. In Fütterungsphase III zeigte sich mit 691 g (Kontrolle) und 705 g (Eipulver) kein Unterschied.
Futterverbrauch und Futteraufwand
In Durchgang 2 unterschied sich der Futterverbrauch weder in den einzelnen Fütterungsphasen noch im Mittel des Versuchs signifikant. Im Mittel wurden in der Kontrollgruppe 702 g Futter pro Tier und Tag verbraucht.
Die Abbildung zeigt den Futterverbrauch der Tiere beider Gruppen von Durchgang 2 in den einzelnen Versuchswochen.
Auch der Futteraufwand pro kg Zuwachs unterschied sich in Durchgang 2 weder in den einzelnen Fütterungsphasen noch im Mittel des Versuchs signifikant. Im Mittel lag der Futteraufwand bei 1,5 kg pro kg Zuwachs für beide Gruppen.

Zusammenfassung

Der Einsatz eines Eipulver-Ergänzungsfutters führte in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen in Durchgang 1 nicht nur zu signifikant geringeren täglichen Zunahmen, geringerem Zuwachs und KM, sondern auch zu einem geringeren Futter- und Energieverbrauch. Gleichzeitig war der Aufwand an Futter und ME pro kg Zuwachs signifikant geringer als in der Kontrollgruppe, in der ein hochwertig ausgestattetes Ergänzungsfutter in den ersten zwei Wochen nach dem Absetzen eingesetzt wurde.
Wird das Ergänzungsfutter mit Eipulver über einen längeren Zeitraum (+ 1 Woche) verschnitten (Durchgang 2), zeigten sich keine negativen Effekte im Vergleich zur Kontrollgruppe mit dem hochwertigen Ergänzungsfutter. Mit 471 gegenüber 463 g waren die täglichen Zunahmen in der Eipulvergruppe numerisch höher.

Wirtschaftliche Betrachtung

Zum Zeitpunkt des 2. Durchgangs kostete das hochwertig ausgestattete Ergänzungsfutter der Kontrollgruppe 157 Euro pro Dezitonne (netto) und das Ergänzungsfutter mit Eipulver 212 Euro pro Dezitonne (netto). Für alle weiteren Futterkomponenten galten gleiche Preise.
In Durchgang 1 ergaben sich beim Einsatz des Ergänzungsfutters mit Eipulver 8 Cent niedrigere Futterkosten pro kg Zuwachs. Dabei waren aber sowohl der Futterverbrauch als auch die täglichen Zunahmen signifikant niedriger.
In Durchgang 2 waren die Futterkosten pro kg Zuwachs in beiden Gruppen nahezu identisch.
Insgesamt funktionieren die Fütterungsstrategien mit beiden Ergänzungsfuttermitteln gut, beide stammen aus dem Premiumbereich. Auch das Ergänzungsfutter mit Eipulver kann in der Ferkelaufzucht erfolgreich und wirtschaftlich eingesetzt werden. Entscheidend ist dabei eine ausreichend lange Übergangsfütterung, da dieses keinen Sojaextraktionsschrot enthält.