Änderungen bei der Futterbewertung und Versorgung von Energie nach GfE 2023

Die neuen Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen (GfE 2023) bringen nicht nur Anpassungen bei den Versorgungsempfehlungen mit sich, sondern auch eine Umstellung bei der Futterbewertung.
Zukünftig ändert sich das Energielieferungsvermögen eines Futtermittels in Abhängigkeit von der Futteraufnahme. Dies erfordert ein Umdenken bei der Rationszusammenstellung. Hier werden die wichtigsten Veränderungen durch diese neuen Normen dargestellt.
Energiebewertung
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Abb. 1: Veränderung der Energie in Abhängigkeit vom Futteraufnahmeniveau am Beispiel einer Grassilage (Achtung: vereinfachte Darstellung!)
Grundlage der Energiebewertung ist die Bruttoenergie eines Futtermittels (GE). Diese kann mittels eines Bombenkalorimeters durch Verbrennung gemessen oder anhand einer Formel geschätzt werden. Zieht man von dieser Bruttoenergie die Energie im Kot, Harn und im Methan, das bei der Verdauung entsteht, ab, so erhält man die neue umsetzbare Energie (MEWK2023). Die Verdaulichkeit der organischen Masse (OMD) kommt dabei an zwei Stellen in das Spiel: Einerseits sinkt die Verdaulichkeit (OMD) bei höherem Futterdurchsatz (Passagerate), was zu einem höheren Energieverlust über den Kot führt. Andererseits bleibt den Mikroben weniger Zeit für die Bearbeitung des Futters, wodurch der Energieverlust über Methan etwas sinkt. Dieses Wechselspiel lässt sich in Abb. 1 nachverfolgen, in der als grüne Linie der Verlauf der neuen Umsetzbaren Energie (MEWK2023) pro kg TM in Abhängigkeit vom Futteraufnahmeniveau am Beispiel einer Grassilage vereinfacht dargestellt ist.
Ausgehend vom Futteraufnahmeniveau 1 steigt die MEWK2023 aufgrund der geringfügig zurückgehenden Verluste an Methan-Energie nur kurz an. Im weiteren Verlauf überwiegt der Effekt der sinkenden Verdaulichkeit, bzw. der Energieverluste über den Kot - die Linie "MEWK2023“ fällt stetig ab. Zum Vergleich ist die Umsetzbare Energie nach bisheriger Berechnung als waagrechte rote Linie eingezeichnet. Diese ist unabhängig vom Futteraufnahmeniveau und verläuft deshalb horizontal.
Energieversorgung
Die Einheit für die Energieversorgung der Milchkuh ist nun nicht mehr die Netto-Energie-Laktation (NEL), sondern die Umsetzbare Energie (MEWK2023). Diese wurde bis jetzt auch schon für Jung- und Mastvieh verwendet, allerdings etwas anders berechnet. Der Grund für den Wechsel von NEL auf "MEWK2023" ist, dass im NEL-System der Nutzungsgrad, bzw. die Verwertung der ME pauschal mit 60 % für alle Leistungsarten angenommen wird. Eine pauschale Verwertung von 60 % bedeutet pauschale Verluste in Form von Wärmenergie von 40 %. Die Energie wird aber bei den verschiedenen Leistungsarten wie Milch, Wachstum etc. unterschiedlich gut verwertet. Deshalb liegt es nahe, den Bedarf gleich in der zugrundeliegenden "Basisgröße“ ME und damit genauer anzugeben. Im NEL-System wurden aufgrund der pauschalen Durchschnittsverwertung auch pauschale Durchschnittsverluste angenommen und diese gleichmäßig verteilt. Es wurde also kein Unterschied gemacht, ob diese der Erhaltung oder der Leistung zugerechnet werden müssten. Dadurch entstanden Fehler: der Erhaltungsbedarf wurde unterschätzt, der Leistungsbedarf überschätzt. Bei den neuen Versorgungsempfehlungen werden jetzt Verluste, die bei der Erhaltung entstehen, auch dieser zugerechnet. Daraus ergibt sich ein höherer energetischer Erhaltungsbedarf des Tieres, der sich auch vielfach in Versuchen gezeigt hat und die Realität besser abbildet.
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Abb. 2: Versorgungsempfehlung für Energie nach GfE 2001 und GfE 2023 am Beispiel einer Kuh mit 750 kg
In Abb. 2 ist der bisherige und neue Erhaltungsbedarf abhängig von der Milchleistung dargestellt. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die Empfehlungen nach GfE 2001 von NEL auf ME umgerechnet. Die beiden Linien für die ME nach GfE 2001 und für die neue MEWK2023 nach GfE 2023 verlaufen aber nicht parallel, sondern die Linie für die MEWK2023 startet höher als die bisherige Empfehlung. d.h. nach den neuen Empfehlungen wird der Erhaltungsbedarf einer Kuh höher. Bei höherer Milchleistung schneiden sich die beiden Linien, d.h. nach den neuen Empfehlungen wird der Leistungsbedarf pro kg Milch niedriger.

