Spätbehandlungen zur Unkrautkontrolle im Getreidebau

Blühende Ackerwinde wächst in abreifendem Winterweizen.Zoombild vorhanden

Ackerwinde in abreifendem Getreide

Ursachen einer späten Herbizidbehandlung im Getreide

Es kann nach einer unterlassenen oder unzureichend wirksamen Behandlung zu einer nicht tolerierbaren Unkrautentwicklung kommen. Ungünstige Witterungsbedingungen können zu einer unerwarteten Entwicklung von besonders konkurrenzkräftigen und damit auch ertragsschädlichen Unkräutern, wie z.B. Kletten-Labkraut, führen. Wärmeliebende, spät auflaufende Unkräuter und Ungräser wie z.B. Flughafer, Hirse-, Distel-, Winden- oder Knöterich-Arten werden bei der frühen Standardbehandlung überhaupt nicht erfasst. Oder es kommt aufgrund von extremen Witterungssituationen (Dürre, Starkregen) zu Bestandeslücken oder frühem Lager mit einer Spätverunkrautung der Getreidebestände.

Anwendungstermine von Spätbehandlungen

Neben den direkten Ertrags- und Qualitätsschäden einer Spätverunkrautung kommt es ohne gezielte Kontrollmaßnahmen zu einer sprunghaften Erhöhung des Besatzes bei Samenunkräutern bzw. –ungräsern oder zu einer verstärkten Ausbreitung von Wurzel-Unkräutern. Dieses kurz- und langfristige Schadenspotential rechtfertigt häufig den Einsatz einer zusätzlichen, gezielten Herbizidbehandlung. Für diesen Bedarf sind mehrere Präparate in der Schossphase (BBCH 30–39) zugelassen. Eine ähnliche Zielrichtung gegen schwer bekämpfbare Wurzelunkräuter haben auch Nacherntebehandlungen auf der Getreidestoppel, für die ebenfalls Spezialherbizide registriert sind.

Wirkstoffe für die Spätbehandlung

Für den Einsatz in der späten Entwicklungsphase des Getreides müssen die Präparate über eine absolut zuverlässige Selektivität bzw. Kulturverträglichkeit verfügen. In der Schossphase kommen daher vorwiegend rein dikotyl wirksame Herbizide aus der Gruppe der Wuchsstoffe bzw. wuchsstoffähnliche Wirkstoffe (MCPA, Fluroxypyr, Halauxifen, Clopyralid) zum Einsatz. Aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe sind besonders verträgliche Wirkstoffe (Tribenuron, Metsulfuron sowie der Sulfonylharnstoff-ähnliche Wirkstoff Florasulam) für eine Spätbehandlung geeignet. Für die späte Ungrasbekämpfung in der Schossphase steht nur der sehr gut verträgliche Wirkstoff Pinoxaden des Präparats Axial 50 zur Verfügung.
Durch die zugelassenen Präparate sind Spätbehandlungen in Winterweizen, Wintergerste, Roggen, Triticale sowie Sommerweizen und –gerste in ausreichendem Umfang abgedeckt. Deutlich weniger Möglichkeiten bestehen in den kleineren Getreidekulturen Hafer und Durumweizen. Bei den durch die Zulassung vorgegebenen Indikationen sind neben gezielten Behandlungen gegen Acker-Kratzdistel, Klettenlabkraut, Acker-Fuchsschwanz, Flughafer und Windhalm auch breit wirksame Behandlungen gegen zweiblättrige Unkräuter verfügbar.
Klettenlabkraut überwächst abreifenden Winterweizen.Zoombild vorhanden

Klettenlabkraut als Spätverunkrautung

Für breitwirksame Anwendungen gegen dikotyle Unkräuter stehen Präparate wie Ariane C (Wirkstoffe: Fluroxypyr + Florasulam + Clopyralid), Omnera LQM (Metsulfuron + Fluroxypyr), Pixxaro EC (Halauxfen + Fluroxypyr), Pointer Plus (Metsulfuron + Tribenuron + Thifensulfuron) und Zypar (Halauxifen + Florasulam) zur Verfügung. Während Ariane C, Omnera LQM und Pointer Plus bis zum Ligula-Stadium (BBCH 39) eingesetzt werden können, ist der späteste Einsatztermin von Pixxaro und Zypar sogar als BBCH 45 (Blattscheide des Fahnenblatts geschwollen) definiert. Alle fünf Präparate wirken gegen viele typische, sich spät entwickelnde Getreideunkräuter wie Klettenlabkraut, Hohlzahn, Klatsch-Mohn oder Knöterich-Arten, wobei es im Detail auch Wirkungslücken gibt, wie bei Pixxaro gegen Kamille oder bei Omnera gegen die Kornblume.
Unterschiede gibt es auch hinsichtlich der Zulassung in den verschiedenen Winter- und Sommergetreidearten, wobei hier Pixxaro, Zypar und insbesondere Ariane C besonders breit aufgestellt sind.
Bei einer ausschließlichen Spätverunkrautung durch Klettenlabkraut ist in der Regel eine sehr kostengünstige Anwendung durch ein reines Fluroxypyr-Präparat ausreichend. HIerfür kommt z.B. Lodin in Frage was bis BBCH 39 in den meisten Getreide-Arten außer Durum und Dinkel eingesetzt werden kann.
Pflanze der Acker-Kratzdistel in einem Weizenfeld während der Schossphase.Zoombild vorhanden

Acker-Kratzdistel

Disteln und andere Wurzelunkräuter entwickeln sich später und in einer längeren Auflaufperiode als die üblichen Samenunkräuter. Für eine befriedigende Bekämpfungsleistung sind daher gezielte Spätbehandlungen notwendig. Ein günstiger Anwendungstermin ab 10 cm Wuchshöhe bis zur Knospenbildung der Disteln wird im Sommergetreide von Ende der Bestockung bis Anfang des Schossens und im Wintergetreide von Beginn bis Ende des Schossens erreicht. Zur Distelbekämpfung sind Präparate auf der Basis von Clopyralid (Ariane C) und Tribenuron (Pointer SX, Dirigent SX), ) sowie das bewährte Distel-Standardherbizid U 46 M-Fluid (Wirkstoff: MCPA) zugelassen.
Bei der Anwendung der Sulfonylharnstoff-Präparate Pointer SX (37,5 g/ha), und Dirigent SX (35 g/ha) ist eine Ergänzung mit 1,0 l/ha U 46 M-Fluid empfehlenswert.
Während Dirigent SX und Pointer SX nur in Wintergetreide eingesetzt werden können, sind Ariane C, Pointer Plus und U 46 M-Fluid auch in Sommergetreide zugelassen. Eine sehr breite Zulassung für alle Winter- und Sommergetreidearten incl. Hafer und Durum-Weizen haben nur Ariane C und U 46 M-Fluid. Der Einsatzzeitpunkt erstreckt sich entweder bis zum Erscheinen des Fahnenblattes (BBCH 37, gilt für Dirigent SX und Pointer SX) oder sogar bis zum Ligula-Stadium (BBCH 39, gilt für Ariane C, Pointer Plus und U 46 M-Fluid).
Die Anwendung gegen die Acker-Kratzdistel sollte bei einer warm-wüchsigen Witterung und mindestens 10 – 15 cm Wuchshöhe der Distel durchgeführt werden.
Hierbei kommt es auf eine gute Benetzung mit sicherer Wirkstoffaufnahme an, um eine gute und sichere Wirkung zu erzielen. Der Einsatz mit hohen Wasseraufwandmengen (300 – 400 l/ha), durchdringungsstarken Injektordüsen und der Zusatz von geeigneten Netzmitteln ist daher generell empfehlenswert.

Für die späte Ungrasbehandlung bis zum Ende des Schossens (BBCH 39) ist nur das kulturverträgliche Spezialherbizid Axial 50 (Wirkstoff: Pinoxaden) in allen wichtigen Getreidearten mit Ausnahme von Hafer zugelassen. Bei der Nachbehandlung gegen Ackerfuchsschwanz ist die Standardaufwandmenge von 1,2 l/ha erforderlich. Gegen Flughafer und Windhalm sind 0,9 l/ha ausreichend. Für eine ausreichende Wirkstoffaufnahme der Ungräser ist der Einsatz mit Injektordüsen bei hohem Arbeitsdruck und Wasseraufwandmengen von 300 – 400 l/ha erforderlich. Nach Spätbehandlungen mit Axial 50 gegen Ackerfuchsschwanz sollte bei den nachfolgenden Ackerfuchsschwanz-Behandlungen im Rahmen der Fruchtfolge bewusst auf die Anwendung von ACCase-Hemmern (HRAC-Wirkgruppe: A) verzichtet werden, um eine Selektion von herbizidresistenten Biotypen zu vermeiden. Axial 50 erfasst auch eine Spätverungrasung in lückigen Getreidebeständen mit Weidelgras- oder Hirse-Arten.

Als letzte Möglichkeit können insbesondere Wurzelunkräuter und –ungräser im Getreidebau auf der Stoppel bekämpft werden. Hierdurch kann der Besatz und der Behandlungsbedarf in der Fruchtfolge effektiv reduziert werden. Gegenüber der mechanischen Stoppelbearbeitung wird mit systemischen Herbiziden eine nachhaltigere Bekämpfungsleistung gegen daueretablierte Unkräuter und Ungräser erzielt. Um eine ausreichende Wirkstoffaufnahme zu erzielen, muss die Stoppel ohne Bearbeitung stehen bleiben, bis z.B. die Winde 30 – 50 cm lange neue Triebe gebildet hat oder die Quecke vier bis fünf neue Blätter entwickelt hat.
Breit wirksam u.a. gegen Quecken, Ampfer und Disteln sind Glyphosat-Produkte wie z. B. Taifun Forte oder Clinic Xtreme. Eine Zusatzwirkung gegen Schachtelhalm und Winden-Arten verspricht das Kombipräparat Kyleo (Glyphosat + 2,4 D). Eine Indikation speziell zur Bekämpfung der Zaunwinde auf der Getreidestoppel hat Starane XL (1,8 l/ha), Ampfer wird dabei miterfasst. Der Vertrieb von Starane XL ist allerdings 2024 ausgelaufen, wirkstoffgleiche Präparate wie Tomigan XL haben diese Stoppelindikation bisher nicht.
Die Herbizidkosten können bei der Stoppelbehandlung durch eine Teilflächenbehandlung gesenkt werden. Eine gezielte Behandlung der Wurzelunkräuter ist auf der Stoppel wesentlich einfacher möglich als im stehenden Getreidebestand. Bei der Randbehandlung mit Glyphosat, z.B. gegen Quecken, ist auf eine exakte Applikationstechnik zu achten, um keine Schäden auf dem Ackerrand oder Wirkstoffbelastungen in Oberflächengewässern zu verursachen. Hierfür ist der Einsatz einer abdriftreduzierten Düsentechnik erforderlich, wenn möglich sollten außerdem Randdüsen benutzt werden.

Stand: April 2026