Institut für Pflanzenschutz
Jahresbericht 2022 – Agrarmeteorologie, Warndienst, Krankheiten in Getreide

Die Arbeitsgruppe IPS 3a betreut das agrarmeteorologische Messnetz der LfL, koordiniert den Pflanzenschutzwarndienst in Bayern sowie das länderübergreifende Informations-Portal ISIP e.V. und führt, in Zusammenarbeit mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Untersuchungen und Feldversuche zur gezielten Bekämpfung von Getreidekrankheiten durch. Auch im Jahr 2022 wurden zahlreiche Projektarbeiten weitergeführt oder abgeschlossen, Daten und neue Erkenntnisse zeitnah im Internet und der Fachpresse veröffentlicht, sowie entsprechende Beratungsunterlagen der Offizialberatung und deren Verbundpartner zur Verfügung gestellt.

Agrarmeteorologie

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft betreibt ein Messnetz von rund 140 ganzjährig in Betrieb befindlichen Messstationen. Neben den Wetterdaten der Agrarmeteorologie Bayern werden auch die Daten von ca. 100 Niederschlagsstationen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in einer gemeinsamen Datenbank abgelegt. Die Messwerte finden Eingang in zahlreiche Prognosemodelle für den Weinbau, Ackerbau, Gemüse- und Obstbau sowie für die Bienenzucht. Vervollständigt wird das Angebot durch standortbezogene Wettervorhersagen, einen Bewässerungsservice, statistische Datenauswertungen und ein interaktives Blühphasenmonitoring für die Imker. Wichtiger Dienstleister für die Verarbeitung der Wetterdaten und die Realisation des Internetangebot ist seit vielen Jahren die Technische Zentralstelle des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück in Rheinland-Pfalz.

In eigener Sache

Nach fast drei Jahrzehnten im Dienst der Agrarmeteorologie an der LfL, wurde im Sommer 2022 Walter Kerscher in den wohl verdienten Ruhestand verabschiedet. Walter Kerscher hat bereits beim Aufbau des Messnetzes in den 1990er Jahren entscheidend mitgewirkt, sämtliche Wetterstationen über all die Jahre hoch engagiert betreut und entscheidend zur Weiterentwicklung der Messtechnik und des Datenmanagements beigetragen. Mit Ingo Fanieng konnten wir einen Nachfolger gewinnen, der selbst bereits fundierte Erfahrung in diesem speziellen Arbeitsgebiet mitbringt, so dass die Betreuung des Messnetzes nahtlos fortgesetzt werden konnte.

Warndienst, Prognose, Monitoring

Braun gesprenkeltes Weizenblatt mit der Krankheit Septoria
Der Pflanzenschutz-Warndienst bietet im Internet tagesaktuelle Prognosen der witterungsbedingten Gefährdung durch wichtige Schaderreger in Landwirtschaft und im Obstbau, Monitoring-Daten der regionalen Befallssituation, die in Zusammenarbeit mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) erhoben werden, sowie entsprechende Bekämpfungsempfehlungen. Das Angebot wird an vielen Stellen ergänzt durch Informationen aus dem länderübergreifende Online-Portal "Informations-System Integrierte Pflanzenproduktion" (ISIP e.V.) Alle Entscheidungshilfen sollen dazu beitragen, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Integrierten Pflanzenbau auf das notwendige Maß zu beschränken. Nach dem etwas feuchteren Jahr 2021 war 2022 wieder ein ausgesprochenes Trockenjahr, insbesondere im März und in den drei Sommermonaten. Im Winterweizen war es insgesamt ein Anbaujahr mit nur moderatem, meist sehr spätem Krankheitsbefall. Überschreitungen der Bekämpfungsschwellen traten vor allem für Septoria-Blattdürre, vereinzelt auch Gelbrost oder DTR auf. Alleine 16 der 70 Monitoringstandorte blieben ohne jegliche Schwellenüberschreitung. Noch geringer war der Befallsdruck in der Wintergerste. Hier blieben 33 der 58 Monitoringstandorte ohne eine Schwellenüberschreitung für einen der „klassischen“ Gerstenpathogene, für die nach dem Gerstenmodell Bayern Bekämpfungsschwellen existieren. Lediglich in Nordbayern traten vereinzelt die Rhynchosporium-Blattflecken, Netzflecken oder der Zwergrost bekämpfungsrelevant auf. Auch in der Sommergerste und in Triticale war der Krankheitsbefall in der Saison 2022 nur moderat.

Krankheiten in Getreide

Ramulariaflecken auf Gerstenblatt
Kenntnisse und Informationen zur Diagnose und zur gezielten Bekämpfung der wichtigsten Krankheiten im Getreidebau können helfen, Ertragsverluste zu verringern und die Qualität des Erntegutes zu sichern. In der Beratung und der landwirtschaftlichen Praxis sind Entscheidungssysteme zum gezielten Fungizideinsatz im Getreide auf der Grundlage von Bekämpfungsschwellen (Weizen- und Gerstenmodell Bayern) fest etabliert. Die Verfahren werden unter verschiedenen Standortbedingungen mit anderen Vorgehensweisen verglichen, in ihrer Wirtschaftlichkeit beurteilt und weiterentwickelt. Die Wirkung neuer Fungizide darunter auch biologische Alternativen wird geprüft und in die Systeme integriert. Im Jahr 2022 konnten in Zusammenarbeit von LfL und den ÄELF hierzu Daten von insgesamt 21 Feldversuche ausgewertet werden (9 in Winterweizen, 6 in Wintergerste, 3 in Sommergerste, 2 in Wintertriticale und einer in Winterroggen).