Unternehmensfinanzierung abseits von Bankdarlehen
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Foto: PantherMedia / Jakub Krechowicz
Alternative Finanzierungswege für landwirtschaftliche Betriebe – von Crowdlending bis Bürgeraktien, praxisnah erklärt mit Chancen & Risiken.
Jede Investition in der Landwirtschaft, ob neue Maschinen, Betriebserweiterung oder Modernisierung, bringt einen Finanzierungsbedarf mit sich. Häufig wird dabei zuerst an das klassische Bankdarlehen gedacht: Kredit aufnehmen, Zinsen zahlen, Tilgung leisten. Doch in Zeiten von Strukturwandel, globalem Wettbewerb und technologischem Fortschritt gewinnt das Finanzmanagement an Bedeutung.
Heute geht es bei der Finanzierung nicht mehr nur um die Höhe des Kapitalbedarfs oder die Konditionen bei der Hausbank. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von Förderprogrammen über Beteiligungen bis hin zu innovativen Finanzierungsformen.
Der klassische Weg mit Bonitätsprüfung, Businessplan, Sicherheiten und Eigenkapitalanteil ist nur eine Option. Es gibt zahlreiche Alternativen, die ergänzend oder ersetzend genutzt werden können. Doch welche sind das? Und wie können sie die Finanzierung nachhaltiger, flexibler und passgenauer machen?
Unbekanntere Finanzierungsformen – Ein Überblick
Jahresbericht 2025 Alternative Finanzierungsmethoden Tabellen.pdf
316 KB
- Ein landwirtschaftliches Unternehmen kann sich grundsätzlich aus eigenen Mitteln (Innenfinanzierung) z. B. durch Rücklagen, Einlagen oder einer Vermögensumschichtung Kapital beschaffen.
- Dem gegenüber steht mit der Außenfinanzierung im Bereich der Fremdfinanzierung (z.B. Bankkrediten) und Beteiligungs- und Einlagenfinanzierung (z.B. Aktien) weitere Finanzierungsformen zur Verfügung.
- Unter sonstige Finanzierungsformen fallen alle, die sich nicht direkt in die anderen Überkategorien einteilen lassen (z.B. Spenden, die meist einmalig als außerordentlicher Ertrag in der Bilanz verbucht werden) bzw. abgewandelte Formen bereits existierender Finanzierungsinstrumente sind (z.B. Förderkredite).
- Natürlich gibt es noch weitere Finanzierungsformen, die in der Abbildung nicht benannt sind. Finanzierungsalternativen, die im landwirtschaftlichen Kontext nicht bzw. kaum anwendbar sind (z.B. Blockchain-basierte Finanzierungsmodelle und Revenue-Based-Financing), werden daher in folgendem Artikel nicht näher erläutert.
Was bei einer Finanzierung grundsätzlich zu beachten ist
Wirtschaftlichkeit des Kapitaleinsatzes
Bilanzielle Wirkung der Finanzierungsformen
| Finanzierungsmethode | Bilanzielle Wirkung | Anmerkung |
|---|---|---|
| Crowdlending | FK | |
| Mikrokredite | FK | |
| Zinsloser Direktkredit | FK | |
| Gutscheinverkauf | FK | |
| Stille Beteiligung | FK | i.d.R. Fremdkapital, in Ausnahmefällen EK |
| Genussrechte | FK | i.d.R. Fremdkapital, in Ausnahmefällen EK |
| Venture Capital | EK | |
| Crowdinvesting | EK | |
| Bürgeraktienmodelle | EK | |
| Genossenschaften | EK | |
| Crowdsponsoring | EK/FK | Je nach vertraglicher Ausgestaltung EK oder FK |
| Impact Investments | EK/FK | Je nach vertraglicher Ausgestaltung EK oder FK |
| Förderkredite | FK | |
| Existenzgründungsprogramme | EK/FK | Je nach vertraglicher Ausgestaltung EK oder FK |
Einfluss auf die Liquidität
Beeinflussung der Kapitalstruktur – Entscheidend für Stabilität und Bonität
Dauer und Höhe der Kapitalüberlassung
Kosten, (versteckte) Transaktionskosten und laufende Kosten der Finanzierungsform
Haftung, Einfluss und Rechtliches
Fazit
Eignung der Finanzierungsform für landwirtschaftliche Unternehmen beachten
- Viele landwirtschaftliche Betriebe sind weniger innovationsgetrieben als etwa Tech-Unternehmen. Das kann die Nutzung bestimmter Finanzierungsformen wie Impact Investments oder Venture Capital erschweren.
- Landwirtschaftliche Unternehmen wachsen meist langsam und können nur begrenzt vergrößert werden. Manche Finanzierungsformen setzen aber voraus, dass ein Unternehmen schnell wachsen kann, d.h. skalierbar ist. Deshalb sind solche Finanzierungen für landwirtschaftliche Betriebe oft schwierig.
- Die Wahl der passenden Finanzierung hängt vom Investitionsobjekt und den betrieblichen Gegebenheiten ab. Kundennahe Finanzierungsformen wie Crowdlending sind vor allem bei Direktvermarktung und großem Kundenstamm sinnvoll.
- Zusätzliche Nutzen wie Imagegewinn, Nachhaltigkeit oder stärkere Kundenbindung sind oft schwer messbar und sollten individuell bewertet werden.
- Finanzierungsformen, die eine Änderung der Unternehmensform erfordern, eignen sich meist nur für langfristige Vorhaben und sollten sorgfältig geprüft werden.
- Das Risikoprofil der Finanzierungsform, die Eignung für die Landwirtschaft, der Anwendungsfall und die Komplexität in der Umsetzung müssen beachtet werden. Details dazu finden Sie im angehängten Dokument.
Quellen:
- Wenz et al. (2018): Beweggründe und Umsetzung alternativer Finanzierungsmethoden in landwirtschaftlichen Betrieben. In: Austrian Journal of Agricultural Economics and Rural Studies, Vol. 27. DOI: 10.15203/OEGA_27.4
- Peter et al. (2020): Alternative Finanzierungsmodelle entlang der Wertschöpfungskette für ökologische Lebensmittel – BioFinanz Synthesebericht
- Behrendt et al. (2019): Bürgerschaftliche Finanzierungsmodelle – Eine Alternative zur klassischen Kreditfinanzierung für Unternehmen der Land- und Lebensmittelwirtschaft?
- Crowdlending/investing/sponsoring: Gründungscoachings, Crowdfunding Beratung, Kurse über Crowdfunding, monatlicher Newsletter
- Mikrokredite
- Peer-to-Peer Finanzing: Beispiel einer P2P-Plattform für landwirtschaftliche Unternehmen und Investoren
Ansprechpartner
Dr. Johannes Munz
Institut für Agrarökonomie
Hans-Loher-Str. 32, 94099 Ruhstorf a.d.Rott
Tel.: 08161 8640-4721
E-Mail: agraroekonomie@lfl.bayern.de
Internet: Institut für Agrarökonomie - Unternehmensführung ![]()

