Entwicklung der Schafbestände in Bayern ab 1810

Ein junges Schaf schaut in die Kamera

Foto: Christian Mendel, LfL

Die Entwicklung der Schafbestände in Bayern seit 1810 ist von zahlreichen historischen, wirtschaftlichen und politischen Faktoren geprägt.

Einst über eine Million Tiere, führten der Import billiger Wolle und die beiden Weltkriege zu drastischen Rückgängen. Die Einführung der Mutterschafprämie 1990 brachte eine Stabilisierung der Bestände, die seit 2013 zwischen 340.000 und 360.000 Tieren schwanken. Dieser Beitrag beleuchtet die entscheidenden Wendepunkte in der bayerischen Schafhaltung und deren Auswirkungen auf die Bestandszahlen sowie die Rolle der Schafe in der heutigen Landschaftspflege.

Vor 200 Jahren noch über eine Million Schafe

Die Schafbestände in Bayern waren vor rund 214 Jahre deutlich höher als heute und lagen bei etwas mehr als einer Millionen Schafe. Bei der Betrachtung dieser Zahlen muss allerdings berücksichtigt werden, dass Bayern seine heutigen Grenzen erst seit dem Jahr 1946 hat. Vorher war Bayern deutlich größer und veränderte seine Gebietsgröße regelmäßig (Haus der bayerischen Geschichte). Viele der Bestandszahlen und die Hintergründe ihrer Entstehung stammen aus der Chronik des Landesverbandes Bayerischer Schafhalter e.V. die zu dessen 100- jährigen Bestehen verfasst wurde.
Im 19. Jahrhundert wurden Schafe vor allem zur Wollproduktion gehalten. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert mitverursachte der Import billiger Wolle aus Australien eine deutliche Reduktion der Schafbestände auf ca. 743.000 Tiere im Jahr 1905. Bis zum Beginn des 1. Weltkrieges 1914 war der Bestand auf ca. 470.000 Tiere zusammengeschrumpft. Dies änderte sich mit Beginn des Krieges, da die Schafhaltung vor allem zur Wolle- und Fleischproduktion benötigt wurde, um die Bevölkerung und das Heer mit Nahrung und Kleidung zu versorgen. Aus diesem Grund verbat ein Erlass von 1918 alle in diesem Jahr geborenen Lämmer zu Schlachten, um die Mutterschafbestände und somit die Fleischproduktion zu erhöhen.

Der Tiefpunkt

Zwischen den beiden Weltkriegen (1918 – 1939) brachen die Bestandszahlen, aufgrund der stark fallenden Wollpreise, um 53% ein und erreichten 1933 einen Tiefpunkt von 335.000 Tieren. Erst mit Beginn Naziherrschaft 1933 stiegen die Schafzahlen wieder deutlich an, da das Regime eine vollständige Unabhängigkeit von Importen aus dem Ausland erreichen wollte und Schafe als wichtige Lieferanten für Wolle und Fleisch galten. Bis Kriegsende 1945 erhöhten sich die Bestände um mehr als das Doppelte und erreichten 1944 einen Schafbestand von 699.000 Tieren.

Die Grafik zeigt Statistiken der Entwicklung der Schafhaltung in Bayern seit 1810 bis heute

Die angeordnete Reduktion der Zahlen

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde von den Alliierten angeordnet die Anzahl an Schafe deutlich zu reduzieren, da es in Deutschland nicht mehr ausreichend landwirtschaftliche Nutzflächen gab, die als Weideland für Schafe genutzt werden konnten. Durch diese Anordnung verringerte sich der Schafbestand in Bayern von 1945 – 1950 um 40% auf ca. 445.000 Tiere.
Die Reduktion der Tierzahlen ging in den folgenden Jahren weiter, bis es 1965 nur noch ca. 140.000 Schafe in Bayern gab. In den 1960er Jahren nahm vor allem die Hammelhaltung deutlich ab, während die Lämmermast, durch einen schnelleren Umsatz bei den Schlachttieren, einen Aufschwung erlebte. Die Lämmermast wurde hierbei vor allem in Koppelhaltung durchgeführt. Bis Mitte der 1970er nahmen die Bestände an Mutterschafen wieder zu, bis der Trend aufgrund der wirtschaftlichen und arbeitstechnischen Lage stagnierte.

Stabilisierung der Bestände

Erst die Einführung der Mutterschafprämie 1990 führte zu einem erneuen Anstieg der Mutterschafbestände und wurde erst ab 2006 durch den hohen Bürokratie- und Kontrollaufwand rückläufig. Seit 1999 ist, aufgrund der Änderungen im Agrarstatistikgesetz, eine genaue Erfassung der Schafbestände nicht mehr möglich, da nur noch Betriebe ab 2 ha oder mindestens 20 Tieren in die Viehzählungen mit einfließen. Durch diese Gesetzesänderung werden schätzungsweise 20% aller schafhaltenden Betriebe in Bayern bei Viehzählungen nicht mehr berücksichtigt. Seit dem Jahr 2013 bleiben die Schafbestände in Bayern weitestgehend stabil und schwanken nur geringfügig zwischen 340.000 und 360.000 Schafen.

Aktuelle Lage

Waldschafe an einem Waldrand

Foto: Christian Mendel, LfL

Heute hat die Schafhaltung nur noch einen sehr geringen Anteil an der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung und Kleidung. Die Wolle, die in Kriegszeit einen sehr hohen Stellwert hatte, ist in den letzten Jahren nahezu wertlos geworden, so dass der Erlös nicht einmal mehr die Kosten der Schur decken kann. Auch im Hinblick auf die Nahrungsmittelproduktion hat das Lamm- bzw. Schaffleisch, mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 0,6 kg, einen sehr geringen Anteil. Der Selbstversorgungsgrad für Lammfleisch liegt in Deutschland bei 45%, wodurch Deutschland stark auf Import von Lammfleisch aus anderen Ländern angewiesen ist. Die heutige Schafhaltung in Bayern trägt sich vor allem durch die Landschaftspflege. Durch den schonenden Verbiss, die geringen Trittschäden und den Transport von Samen zu anderen Standorten in Wolle und Kot, leisten Schafe einen sehr großen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft.
Schäfereien im Haupterwerb haben meist um die 500 Mutterschafe und generieren ihr Haupteinkommen über Zahlungen, die Sie für Leistungen in der Landschaftspflege erhalten. Durch diese Zahlungen werden die Leistungen des Schäfers für den Schutz des Bodens vor Erosionen, dem Erhalt der Lebensräume von Tieren und Pflanzen aber auch der Kulturlandschaft honoriert. Auch die Zucht gefährdeter einheimischer Nutztierrassen wird gefördert, um die Rassenvielfalt zu erhalten. Zusätzlich bekommen die Schäfer in Bayern 2025 eine Mutterschafprämie in der Höhe von 39 Euro pro Mutterschaf. In Bayern gibt es laut dem Landesverband Bayerischer Schafhalter e.V. noch ca. 100 Haupterwerbsschäfereien – Tendenz weiter abnehmend.

Ansprechpartner
Barbara Ostwald
Institut für Agrarökonomie
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1402
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de