Forschungs- und Innovationsprojekt
SoLaBay: Forschungsprojekt zur Sozialen Landwirtschaft

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Grafik: LfL

Untersuchung zu Potenzialen in der bayerischen Landwirtschaft, Aufbau von ressortübergreifenden Netzwerken und Ableitung von praxisorientierten Handlungsempfehlungen

Das Forschungsprojekt SoLaBay (2025 bis 2028) zielt darauf ab, das Angebot an Sozialer Landwirtschaft zu verbessern. Es umfasst den systematischen Aufbau und die Evaluation ressortübergreifender regionaler Netzwerke sowie Experteninterviews und Umfragen. Soziale Landwirtschaft stellt einen zusätzlichen Betriebszweig im Rahmen der Diversifizierung landwirtschaftlicher Betriebe dar und trägt gleichzeitig zur Stärkung der sozialen Daseinsvorsorge im ländlichen Raum bei.

Projektbeschreibung

Das Projektteam von links nach rechts: Gina Holzapfel, Projektmitarbeiterin der LfL, Dr. Thomas Decker, Projektleiter der HSWT, Theresia Nüßlein, Projektleiterin der Lfl und Guido Cremenius, Projektmitarbeiter der LfL Zoombild vorhanden

Foto: Magdalena Obermeier, LfL

Rund 250 landwirtschaftliche Betriebe in Bayern verbinden nach Erhebungen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) auf ihren Höfen soziale Arbeit und Landwirtschaft. Die Angebote reichen von Wohn- und Betreuungsangeboten für ältere Menschen über Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen bis zu Bauernhofkindergärten. Damit ist die Soziale Landwirtschaft mit ihren vielfältigen Ausprägungen bisher noch eine Nische im Bereich der Diversifizierung. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Angeboten aber hoch. Diese Angebote für Menschen mit Hilfebedarf können gerade im ländlichen Raum einen Beitrag zur sozialen Daseinsvorsorge leisten. Zudem sind viele landwirtschaftliche Betriebe auf der Suche nach neuen Wegen und Einkommensalternativen für die Zukunft.
Obwohl Soziale Landwirtschaft einen bisher wenig bekannten Betriebszweig darstellt, so gibt es mittlerweile doch eine Vielzahl an allgemeinen Informationsmaterialien. Wenn es aber um die konkrete, standortspezifische Umsetzung von Projekten geht, fehlt es oftmals an Wissen und Netzwerken. Wie kann eine effektive Unterstützung für Betriebe gewährleistet werden, die in die Soziale Landwirtschaft einsteigen möchten, angesichts der vielfältigen (bau)rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Herausforderungen? Diese Fragestellung bildet den Ausgangspunkt des Forschungsprojekts SoLaBay. Das Projekt wird in Kooperation der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bearbeitet.

Ziel des Forschungsprojektes

Zentrales Ziel des Projektes ist es, das zukünftige Angebot von Sozialer Landwirtschaft in Bayern zu erhöhen.

Teilziele und Methodik

Im Rahmen des Projektes werden drei Arbeitspakete bearbeitet.

  • Eine Untersuchung zur Bekanntheit und zur Akzeptanz Sozialer Landwirtschaft soll die Einschätzung des Potenzials für Soziale Landwirtschaft in Bayern ermöglichen. Dieses Arbeitspaket wird federführend bearbeitet durch die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT).
    • Durchführung qualitativer Experteninterviews mit Landwirten, die bereits Soziale Landwirtschaft betreiben, mit Vertreterinnen und Vertretern von Verbänden und Beratung aus der Landwirtschaft und dem Sozialwesen
    • Onlineumfrage bei landwirtschaftlichen Betrieben, die noch keine Soziale Landwirtschaft betreiben
    • Onlineumfrage bei potenziellen Kundinnen und Kunden
  • Der systematische Aufbau und die Evaluation ressortübergreifender, regionaler Netzwerke sollen die Begleitung von landwirtschaftlichen Betrieben erleichtern, die ein Angebot in der Sozialen Landwirtschaft umsetzen wollen. Die Begleitung der Betriebe wird in Kooperation mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Form von Reallaboren durchgeführt. Dieses Arbeitspaket wird federführend bearbeitet durch die LfL.
    • Auswahl von vier landwirtschaftlichen Projektbetrieben und regionalen Netzwerkpartnern für die Bereiche Seniorenwohnen, Inklusionsarbeitsplätze, Betreuungsangebote und Bauernhofkindergarten
    • Bildung der Netzwerke zur ressortübergreifenden multidisziplinären Zusammenarbeit durch ein Auftakttreffen zum Kennenlernen und zur Absprache
    • Begleitung der Landwirte bei der Umsetzung über eine interaktive digitale Plattform (Sharepoint) mit paralleler Reflexion, Anpassung und Evaluierung der Zusammenarbeit
  • Die Ergebnisse des Projektes werden für die landwirtschaftliche Praxis, Beratung und Ausbildung sowie für den Sozialbereich aufbereitet und zielgruppengerecht bei den Akteuren platziert. Dieses Arbeitspaket wird von der HSWT und der LfL gemeinsam bearbeitet.
    • Weiterentwicklung praxisorientierter Informationsmaterialien für relevante Akteure aus der Landwirtschaft und dem Sozialbereich, um eine fundierte Einschätzung der Wirtschaftlichkeit zu ermöglichen und die Kooperation mit potenziellen Partnern zu stärken. (z. B. Tools zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit, Unterlagen zur Zusammenarbeit mit potenziellen Kooperationspartnern)
    • Entwicklung von Handlungsempfehlungen für Politik, Verbände und weitere relevante Akteure zur Förderung der Bekanntheit und Verbreitung Sozialer Landwirtschaft

Aktuelles und Ergebnisse

Treffen der Kooperationspartner des Projektes in München

Bei einem ersten persönlichen Treffen tauschten sich Ende Oktober die Kooperationspartner im Projekt SoLaBay mit dem Projektteam von LfL und HSWT aus und planten die zukünftige Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung.
Die Mitarbeitenden im Projekt stellten den aktuellen Stand vor: Guido Cremerius (HSWT) ist gerade an der Auswertung von Experteninterviews, Gina Holzapfel (LfL) stellt für die vier Projektbetriebe in ganz Bayern (LfL) die regionalen Netzwerke mit Ansprechpersonen vor Ort zusammen und organisiert die ersten ressortübergreifenden Treffen.
Als Vertreterinnen ihrer Organisationen haben Margit Berndl und Dr. Annalena Yngborn vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern, Julia Singer vom Bayerischen Bauernverband (Referentin Landfrauen), Sieglinde Bittl vom Referat M6 (Diversifizierung, Landfrauen) und Dr. Viktoria Lofner-Meir unterschiedliche Berührungspunkte mit Sozialer Landwirtschaft. Durch die verschiedenen Perspektiven und Arbeitsfelder ergänzen sie die Projektarbeit an wichtigen Punkten.

Netzwerktreffen der Reallabore

Für jeden der vier Projektbetriebe sind im Rahmen des Projekts SoLaBay fünf Präsenz-Netzwerktreffen vorgesehen. Dort kommen die Betriebsleiterinnen mit relevanten Akteuren zusammen, um die Umsetzung ihrer Vorhaben gezielt voranzubringen.

Zweite Runde der Netzwerktreffen

Die ersten Netzwerktreffen dienten neben dem Kennenlernen von Betrieb und Partnerorganisationen dem Ausloten der inhaltlichen Schwerpunkte und Entwicklungsmöglichkeiten. In der zweiten Runde der Netzwerktreffen im Februar und März 2026 haben die beteiligten Projektbetriebe ihre Planungen weiter konkretisiert und vertieft. Im Fokus der zweiten Netzwerktreffen standen die individuellen Vorhaben auf den Höfen sowie der Besuch von Beispielbetrieben.
Senioren-Wohnen auf dem Bauernhof
Im Bereich Senioren-Wohnen plant Stefanie Nold auf ihrem Betrieb unter dem Motto und Titel „Dahoam in Ast“ ein Angebot. Inspiration konnte sie sich Ende Januar beim Besuch des Beispielbetriebs "Servicewohnen Brauneis" holen, der dies seit 1998 erfolgreich umsetzt. Direkt im Anschluss an die Betriebsbesichtigung fand vor Ort das zweite Netzwerktreffen statt. Die Netzwerkpartner diskutierten verschiedene Szenarien, in welcher Form und in welchem Umfang das Seniorenwohnen auf dem Forstbetrieb von Frau Nold realisiert werden könnte. Angedacht sind drei bis acht Wohneinheiten, die bei Bedarf durch einen ambulanten Pflegedienst betreut werden können. Eine Machbarkeitsanalyse durch einen Architekten soll in Kürze weitere Klarheit bringen, wie der Umbau praktisch und finanziell gestaltet werden kann.
Stundenweise Seniorenbetreuung auf dem Bauernhof
Auch im Bereich der stundenweisen Seniorenbetreuung wurden die Planungen weiter vorangetrieben: Kathrin Thaller baut einen ehemaligen Kuhstall zu einer Ergotherapiepraxis mit dem Schwerpunkt auf Tiergestützten Angeboten für Seniorinnen und Senioren um. Die Umbauarbeiten auf dem "Therapiehof Spornhaller" sind bereits in vollem Gange. Mit diesem Vorhaben verwirklicht sie ihr Ziel, ihre Tätigkeit als Ergotherapeutin und zertifizierte Fachkraft für tiergestützte Interventionen künftig auf dem eigenen Hof anzubieten. Im Februar besuchte das Netzwerk ergänzend den „Krümelhof“ bei Augsburg. Dort leben aktuell rund 186 Tiere, es finden tiergestützte Angebote statt. Der Besuch diente dem fachlichen Austausch und bot Inspiration für die eigene Projektumsetzung. So ging es um Anforderungen des Veterinäramtes, wie der Erfüllung des § 11, und welche Kanäle zur Kundenakquise sinnvoll sind.
Kinder- und Jugendhilfe auf landwirtschaftlichen Betrieben
Im Handlungsfeld Kinder- und Jugendhilfe plant Simone Köppel, auf dem "Kuddelmuddelhof" ein Angebot für schulabstinente Kinder und Jugendliche aufzubauen. Vorgesehen ist eine Betreuung von Mädchen und jungen Frauen im Alter von 14 bis 27 Jahren von Montag bis Freitag auf dem Hof. Im März kamen – anknüpfend an die ersten Abstimmungen – am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Münchberg Vertreterinnen und Vertreter der Jugendämter, des Schulamts sowie der Regierung von Oberfranken zusammen, um die Umsetzungsmöglichkeiten weiter zu konkretisieren. Herausforderungen bestehen insbesondere in der Erreichbarkeit der Zielgruppe sowie in der Sicherstellung der Erfüllung der Schulpflicht. Diese Aspekte machen ein erneutes Überdenken und gegebenenfalls eine Anpassung der Zielgruppe im Rahmen dieses Pionierprojekts erforderlich.
Inklusionsarbeitsplätze in der Landwirtschaft
Auch im Bereich Inklusionsarbeitsplätze wurden im zweiten Netzwerktreffen die Überlegungen weiter vertieft. Daniela Krafft plant, auf dem "Krafftort" zeitnah zwei Menschen mit Beeinträchtigung zu beschäftigen. Daniela Krafft wird dabei als "Andere Leistungsanbieterin" tätig werden. Im Februar besuchte das Netzwerk den "Karibuho"f“ bei Lindau. Dort sind bereits zwei junge Frauen mit Beeinträchtigung fest in den Arbeitsalltag integriert. Im anschließenden Netzwerktreffen vor Ort wurden gemeinsam mit Vertreterinnen des Bezirks sowie Praktikern Möglichkeiten der Vernetzung und Ansätze zur Finanzierung diskutiert.

Erste Runde der Netzwerktreffen

Im November und Dezember 2025 fanden an verschiedenen Standorten in Bayern die ersten Netzwerktreffen der beteiligten Projektbetriebe statt. Gemeinsam wurden wichtige Weichen für die praxisnahe Weiterentwicklung der Projektbetriebe gestellt.
SoLaBay Netzwerz SeniorenwohnenZoombild vorhanden

Foto: Ilijana Antunovic, LfL

Seniorenwohnen: Auftakttreffen in Landshut
Am 11. November kamen Netzwerkpartnerinnen und -partner zum Schwerpunkt "Seniorenwohnen" erstmals zusammen. Im Mittelpunkt des Treffens standen innovative Wohnformen für ältere Menschen, beispielsweise ambulant betreute Wohngemeinschaften und Service-Wohnen, sowie deren Umsetzbarkeit für unseren Projektbetrieb. Gemeinsam wurden konkrete nächste Schritte und die Einbindung weiterer Netzwerkpartner und Entscheidungsträgerinnen und -träger geplant. Unter den Anwesenden waren die Projektleitung der LfL, die zuständige Ansprechpartnerin des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Landshut, ein spezialisiertes Beratungsteam für Senioren-WGs, die Seniorenbeauftragte des Landkreises Landshut sowie die Koordinationsstelle Pflege und Wohnen.
Stundenweise Seniorenbetreuung auf dem Bauernhof: Treffen in Fürstenfeldbruck
Am 20. November stand am AELF Fürstenfeldbruck die geplante stundenweise Betreuung von Seniorinnen und Senioren auf dem Bauernhof im Fokus. Geplant ist die Errichtung einer Ergotherapiepraxis mit tiergestützten Interventionen im umgebauten Stallgebäude. Die Hofeigentümerin, eine erfahrene Ergotherapeutin mit Schwerpunkt Demenz und Schlaganfall, wird im kommenden Jahr die ISAAT-zertifizierte Qualifikation für tiergestützte Interventionen mit Bauernhoftieren abschließen. Ein konkreter Bauplan ist bereits vorhanden: Die entstehende Praxis soll direkten Blickkontakt zu Schafen und Eseln ermöglichen. Zum ersten Austausch waren Vertreterinnen und Vertreter des AELF, der LfL, des Amtstierarztes, der Versicherungskammer Bayern, des Deutschen Verbands Ergotherapie sowie der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Bayern eingeladen.
Tagesstätte für schulabstinente Jugendliche: Treffen in Münchberg
Ein weiterer Meilenstein war das Netzwerktreffen am 24. November am AELF Bayreuth-Münchberg zur Entwicklung einer tiergestützten, heilpädagogischen Bauernhof-Tagesstätte für schulabstinente Jugendliche. Da dieser Ansatz für alle Beteiligten Neuland bedeutet, bedarf es umfassender Abstimmungen. Entsprechend vielfältig war die Expertise der Teilnehmenden: Vertreterinnen und Vertreter der Regierung von Oberfranken (Soziales und Jugend), des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sowie Fachleute vom AELF zu Baurecht, Fördermitteln und Sozialer Landwirtschaft tauschten sich intensiv aus.
Inklusionsarbeitsplätze in der Landwirtschaft: Austausch in Kempten
Den Abschluss bildete das Netzwerktreffen am 03. Dezember am AELF Kempten mit dem Fokus auf Inklusionsarbeitsplätze. Besonders intensiv wurde darüber diskutiert, mit welchen Ansätzen Menschen mit Beeinträchtigung für diese Arbeitsplätze gezielt gewonnen werden können. Auch die Vernetzung von Betrieben, die wie die Betriebsleiterin als Anderer Leistungsanbieter Menschen mit Beeinträchtigung beschäftigen, war Thema. Mit dabei waren Vertreterinnen und Vertreter des Bezirks Schwaben, der EAA Schwaben, die Leiterin des "Karibuhofs" mit aktuellen Erfahrungen als inklusiver Anbieter, die Projektbeteiligten der LfL und HSWT sowie die Ansprechperson des AELF Kempten.
Mit viel Engagement und Fachwissen wurden bei allen Treffen die nächsten Schritte festgelegt und ein reger Austausch gepflegt. Wir freuen uns, unser Projekt durch die aktive Mitarbeit aller beteiligten Akteure weiter voranbringen zu können.

Weitere Informationen

Für weitere Informationen über das Projekt SoLaBay und die Möglichkeiten der Beteiligung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung
E-Mail: Diversifizierung-IBA@LfLbayern.de

Projektinformation
Projektleitung LfL: Theresia Nüßlein
Projektleitung HSWT: Dr. Thomas Decker
Projektbearbeitung: Guido Cremerius (HSWT), Gina Holzapfel (LfL)
Laufzeit: 01.04.2025 – 31.03.2028
Antragsteller: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) & Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Arbeitsbereich Diversifizierung
Kooperationspartner: Verein Soziale Landwirtschaft Bayern e.V., Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Bayern e.V., Bayerischer Bauernverband
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF)

Bildnachweis:
Kopfbild, Foto: Freudenstein