Einstieg in die Bauernhofgastronomie

Gemischter Salat mit Blüten

Damit die Idee der Brotzeitstube oder des Hofcafés auf dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb erfolgreich umgesetzt werden kann, ist eine gründliche Vorbereitung notwendig. Dazu gehört eine ausführliche Auseinandersetzung mit den persönlichen und finanziellen Voraussetzungen, den rechtlichen Rahmenbedingungen und eine individuelle Abschätzung der Wirtschaftlichkeit des geplanten Betriebszweigs. Die folgende Beitrag soll hierfür eine erste Orientierungshilfe bieten.

Folgende Aspekte sind für einen erfolgreichen Einstieg in die Bauernhofgastronomie besonders zu berücksichtigen:

  • Ausgangssituation: Idee, Vision, Ziele
  • Voraussetzungen: Familie, Qualifikation, Betrieb, Umfeld, Gebäude, finanzielle Situation
  • Geplantes Angebot: Speisen, Getränke, Dienstleistungen, handwerkliche Produkte
  • Rahmenbedingungen: Recht, Steuern, Versicherungen
  • Betriebskonzept: Angebotsform, Umfang, Zielgruppen
  • Ausbau, Ausstattung, Einrichtung: Anlagen, Räume, Geräte, Personal
  • Finanzierung: Kapitalbedarf, Fördermöglichkeiten, Wirtschaftlichkeit
  • Marketing und Netzwerkbildung

Persönliche und familiäre Voraussetzungen

Unternehmerpersönlichkeit und familiärer Hintergrund gelten als wichtigste Erfolgsfaktoren für den Aufbau eines neuen Betriebszweigs neben der Landwirtschaft, insbesondere bei der Gästebewirtung. Darüber hinaus sind die Bereitschaft zur Dienstleistung – auch an Wochenenden und Feiertagen –, Freude am Umgang mit Menschen sowie kaufmännisches Denken und Handeln essentielle Voraussetzungen. Eventuell nicht vorhandene Fachkompetenzen müssen erworben werden.

Außerdem ist eine Standortanalyse im Umkreis von ca. 50 km um den Betrieb unter Berücksichtigung der Marktsituation und der Mitbewerber vorzunehmen. Zu den Standortfaktoren zählen u. a. die allgemeine Verkehrsanbindung, die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, touristische Ziele und andere landwirtschaftliche Betriebe mit ergänzenden Angeboten. Zukünftige Entwicklungen sollten ebenfalls bedacht und Informationen über behördliche Vorhaben in die Planung einbezogen werden.

Das neue Geschäftsfeld bindet Arbeitskapazitäten, die bislang noch nicht genutzt werden oder noch nicht frei verfügbar sind. Für alle Personen, die in der Bauernhofgastronomie tätig werden wollen, sollten die bisherigen Aufgaben und die dafür benötigte Zeit erfasst werden, um die geplanten neuen Tätigkeiten für die Betroffenen realistisch planen zu können.

Rahmenbedingungen: Recht, Steuern, Versicherungen

Jede Gästebewirtung muss im vorgegebenen rechtlichen und hygienischen Rahmen erfolgen. Dies beginnt bei der Konzession, der Erlaubnis zum Ausschank von Getränken und der Ausgabe von Speisen. Darüber hinaus sind das Bau-, Lebensmittel- und Gewerberecht sowie weitere rechtliche Bestimmungen zu berücksichtigen. Um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen ist es empfehlenswert, bei allen rechtlichen Fragen möglichst frühzeitig mit den zuständigen Fachbehörden Kontakt aufzunehmen.

Wird ein Gastronomiebetrieb als neues gewerbliches Unternehmen bei der Gemeinde angemeldet, werden durch das Finanzamt steuerliche Daten erfasst. Auf der Grundlage der steuerlichen Einordnung können vom Finanzamt Vorauszahlungen (Einkommenssteuer, Gewerbesteuer) festgelegt werden. Die endgültige Höhe der Steuern ergibt sich jedoch erst mit den einzureichenden Jahreserklärungen.

Mit dem Aufbau eines bäuerlichen Gastronomiebetriebs sind zusätzliche Risiken verbunden, die durch die vorhandenen gesetzlichen und privaten Versicherungen nicht automatisch abgedeckt werden. Insbesondere Haftungsfragen sollten daher frühzeitig, sorgfältig und verbindlich geklärt werden.

Ausbau, Ausstattung und Einrichtung

Die Bauernhofgastronomie lebt von der Nähe zum landwirtschaftlichen Betrieb und der damit verbundenen Atmosphäre, die sich auch in der Architektur, Einrichtung und Dekoration der Räumlichkeiten wiederspiegeln sollte. Der bewusste Einsatz von natürlichen Materialien, Formen und Farben bei Möbeln, Polsterung, Kissen, Vorhängen sowie Bildern und Dekorationen kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. So vermittelt beispielsweise Holz als Wandverkleidung oder Fußbodenbelag Wärme und Gemütlichkeit.
Der Außenbereich des bäuerlichen Gastronomiebetriebs ist so zu gestalten, dass der Gast „gut ankommt“ und einen positiven ersten Eindruck vom Hof gewinnt. Bei der Umsetzung kommen ebenfalls bevorzugt natürliche Materialien wie Stein und Holz sowie bäuerliche und regionaltypische Pflanzen zum Einsatz.

Wirtschaftlichkeit

Für den Aufbau des neuen Betriebszweigs sind Investitionen notwendig, die sich nur lohnen, wenn mit der Bauerhofgastronomie auf Dauer Gewinn erzielt werden kann. Daher sind bereits bei der Planung die möglichen Kosten und der erwartete Erlös abzuschätzen. Hierzu werden Plandaten herangezogen, die im laufenden Betrieb durch eigene Daten ersetzt werden und so zur regelmäßigen Beurteilung des wirtschaftlichen Erfolgs herangezogen werden können.

Die folgende Kalkulationshilfe bietet eine erste Orientierung bei der individuellen Abschätzung der Wirtschaftlichkeit des Betriebszweigs Bauernhofgastronomie.

Kalkulationshilfe Wirtschaftlichkeit Bauernhofgastronomie - Stand Februar 2024 (Excel-Anwendung) xls 385 KB

Der ausführliche Leitfaden mit allen Formblättern, Checklisten und weiterführenden Hinweisen wird momentan überarbeitet. Bis zum Erscheinen der neuen Fassung kann bei Bedarf der alte Leitfaden bei Dr. Sophia Goßner per E-Mail angefordert werden.

Bildnachweis:
Kopfbild, Foto: www.bayern.by – Gert Krautbauer