Jahresbericht 2016
Masterplan Gewässerschutz

Bachverlauf

Schnittstelle und Schaltzentrale für den Gewässerschutz

Bayerns Wasserqualität soll noch besser werden. Die Ziele sind hoch gesteckt. Und damit bei der Umsetzung nichts schiefgeht, hat die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) die Koordination im landwirtschaftlichen Bereich dafür übernommen. Die Vorgaben kommen aus Brüssel und sind in der Wasserrahmenrichtlinie festgeschrieben.
Bis 2021 haben die einzelnen Länder Zeit, Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme umzusetzen. Dafür hat Bayern 2015 und 2016 jedes Gewässer auf seine ökologische Qualität untersucht – als Ergebnis hat das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 2017 die Zahl der Wasserberater von 18 auf 36 verdoppelt. Und auch deren Arbeit zusammen mit den Landwirten managt die LfL.
Friedrich Nüßlein ist Experte für Gewässerschutz. Bei ihm laufen zukünftig alle Fäden im Institut zusammen. „Wir sind die Schnittstelle und Schaltzentrale zwischen allen Organisationen, die sich um die Umsetzung der europäischen Richtlinienziele in der Landwirtschaft kümmern“, erklärt Nüßlein den Arbeitsauftrag der LfL. „Wir geben Hinweise an die Politik, beziehen Stellung gegenüber den Ministerien und halten den Kontakt zu den Landwirten.“ Das gesamte Jahr 2016 war Nüßlein damit beschäftigt, die Flüsse, Bäche und Seen in Bayern zu identifizieren, deren ökologische Qualität am dringlichsten verbessert werden muss. Die Grundlagendaten dazu stammen von den regionalen Wasserwirtschaftsämtern. „Wir haben für ganz Bayern eine hydrogeologische Landkarte, die nicht in Landkreise und Gemeinden, sondern in Wasserkörper-Gebiete unterteilt ist“, erklärt Nüßlein.
Als einen Wasserkörper bezeichnen die Experten einen abgrenzbaren Abschnitt eines Gewässers – sowohl bei Bächen und Flüssen als auch im Grundwasserbereich –, dem Maßnahmen zugeordnet wurden. Jetzt hat er eine Prioritätenliste mit 596 Maßnahmengebieten vor sich liegen, die es abzuarbeiten gilt. Damit das alles klappt, ist er seit 2017 nicht mehr Alleinkämpfer in seinem Bereich, sondern hat mit Anita Högenauer eine erfahrene Wasserberaterin an seiner Seite, die die Bedürfnisse und Zwänge der Landwirte genau kennt.

Oberstes Ziel: Maßnahmen für gewässerschonende Landbewirtschaftung umsetzen

zwei Personen begutachten den Boden eines AckersZoombild vorhanden

direkt vor Ort - ganz individuell

In Bayern gibt es insgesamt 256 Grundwasserkörper. An 93 von ihnen müssen Verbesserungen vorgenommen werden. Daneben gibt es landesweit 961 Oberflächengewässer wie Seen oder Flüsse. An 503 von ihnen sind weitere Maßnahmen geplant. „Das ist richtig viel Arbeit für die kommenden Jahre“, weiß Anita Högenauer, die bereits sieben Jahre als Wasserberaterin gearbeitet hat und nun an der LfL in Freising beschäftigt ist. Sie kennt die Sorgen und Nöte der Landwirte ganz genau. Sie müssen die Zielvorgaben letztendlich umsetzen – auf freiwilliger Basis. „Bei der Beratung ist deshalb ganz schön viel Fingerspitzengefühl gefragt. Die Landwirte lassen sich nicht gerne reinreden“, sagt Högenauer. „Mit den Jahren habe ich aber gemerkt, dass immer mehr Landwirte von unserer Arbeit und unseren Zielen überzeugt sind. Und immer mehr machen mit!“ Als größter Flächennutzer hat die Landwirtschaft einen erheblichen Einfluss auf die Wasserqualität in Bayern. Deshalb sei das oberste Ziel, Maßnahmen für eine gewässerschonende Landbewirtschaftung umzusetzen. Das sind sogenannte ergänzende Maßnahmen zum Gewässerschutz, die gemeinsam von der LfL und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) zusammengestellt wurden. „Wir haben 57 konkrete Umsetzungsbeispiele erarbeitet, es können aber noch neue Vorschläge dazukommen“, sagt Nüßlein.

Maßnahmenkatalog

Ziel dieser Maßnahmen ist, dass in Zukunft deutlich weniger Bodensediment aus den landwirtschaftlichen Flächen abgeschwemmt wird und so kaum noch Nährstoffe wie Phosphor in den Gewässern landen. Dabei hilft eine schützende Bodenbedeckung durch den Zwischenfruchtanbau. Das Mulchsaat-Verfahren sowie eine schonende Bodenbearbeitung durch moderne Landmaschinen sorgen zudem für eine stabile Ackerkrume und tragen dazu bei, die Gewässer zu schützen. Ein ausreichend breiter Grünstreifen am Ackerrand bietet zusätzliche Sicherheit. Stickstoffeinträge sind ein großes Problem für das Grundwasser. 48 Grundwasserkörper sind wegen einer zu hohen Nitratbelastung in einem schlechten Zustand. Hier können vor allem optimierte, gewässerschonende Düngegaben der Landwirte helfen. Friedrich Nüßlein ist davon überzeugt: Mit diesem Maßnahmenkatalog kann das ambitionierte Ziel erreicht werden. „Aber mir ist auch klar, dass wir beim Grundwasser erst nach Jahrzehnten wirklich sehen werden, was unsere Masterpläne konkret gebracht haben. So lange dauert der Gesamtprozess.“

Maßnahmenkatalog zur gewässerschonenden Landbewirtschaftung pdf 20 KB

An 93 von 256 Grundwassergebieten müssen Verbesserungen vorgenommen werden. Bei 503 von 961 Oberflächengewässern wie Seen oder Flüssen muss die Landwirtschaft noch aktiver werden.

36 Wasserberater setzen die LfL-Maßnahmen zur Wasserqualität bis 2021 um.

Mit den Jahren habe ich gemerkt, dass immer mehr Landwirte von unserer Arbeit und unseren Zielen überzeugt sind.

Für den Landwirt ist nichts wichtiger als die eigene Praxiserfahrung.

Wasserberater arbeiten direkt mit Landwirten zusammen

Wie diese Maßnahmen im Detail umzusetzen sind, damit beschäftigen sich seit Februar 2017 insgesamt 25 Wasserberater, die an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten angesiedelt sind. Im Laufe des Jahres soll die Zahl der Berater noch auf 36 aufgestockt werden. „Langfristig wäre wünschenswert, wir hätten an wirklich jedem Amt einen Wasserberater. Die Arbeit dafür ist da“, sagt Nüßlein. Für die Koordinierung sowie die Aus- und Weiterbildung dieser Berater ist die LfL federführend zuständig. Die Wasserberater halten den direkten Kontakt zu den Landwirten. Gemeinsam mit ihnen erarbeiten sie Gewässerschutzkonzepte, die sich direkt auf die Betriebsflächen des Landwirtes beziehen. Zusammen mit interessierten Landwirten werden auch Demo-Anlagen zum Zwischenfruchtanbau eingerichtet. "Für den Landwirt ist nichts wichtiger als die eigene Praxiserfahrung", so Högenauer.
„Die meisten Landwirte sind sehr motiviert, die entsprechenden Schutzmaßnahmen auch im eigenen Betrieb umzusetzen.“ Auch Maschinenvorführungen, Feldbegehungen und der Erfahrungsaustausch unter den Landwirten sind Teil des LfL-Konzeptes. Für Anita Högenauer und ihre Kollegen ist der EU-Auftrag aber nicht nur ein Job wie jeder andere: „Wir sind alle mit Leib und Seele Wasserberater und wollen zusammen mit den Landwirten für das Gemeinwohl eintreten.“