Kenne ich mein Getreide?

Getreidehaufen mit Eimer und Handschaufel

Kenne ich mein Getreide wirklich? Oder füttere ich noch mit Standardwerten? Anmerkungen zur Futtermitteluntersuchung

Die Erträge für Getreide schwanken jedes Jahr in Abhängigkeit von der Witterung. Vom Ertragsniveau wird aus Sicht des Futterwertes und der Nährstoffgehalte vor allem der Rohproteingehalt beeinflusst. Mit einer Futteruntersuchung kann also auch der Einfluss der klimatischen Bedingungen und der eigenen betrieblichen Voraussetzungen im Ackerbau (Düngung, Bestandsführung, Bodenart …) für das eigene Getreide erfasst werden. Deshalb sollte standardmäßig jedes Jahr für das erzeugte Futtergetreide eine Futteruntersuchung gemacht werden. Vielen Schweinehaltern ist das bewusst. Sie untersuchen ihr Getreide im LKV-Futterlabor Bayern in Grub auf Rohnährstoffe, Aminosäuren und Mineralstoffe. Die Ergebnisse sind dann bequem über die LKV-Fulab-App oder Internetplattform webFuLab abrufbar.

Beispielhaft lassen sich die vorliegenden Untersuchungsergebnisse des LKV-Labors Grub der Getreideernte 2021 bezüglich der Nährstoffgehalte folgendermaßen einordnen:

Rohprotein-/Aminosäuregehalt

Weizen ist die Getreideart mit dem höchsten Rohproteingehalten. Dieses Jahr ist der Rohproteingehalt im Weizen mit 112 g/kg (Trockenfutter 88 % Trockenmasse) auf Vorjahresniveau (Tabelle 2). Bei Gerste, Triticale, Hafer und Roggen waren die Gehalte wieder niedriger als im Vorjahr. Grundsätzlich ist ein fallender Rohproteingehalt im Getreide zu beobachten. Für die Fütterung ist das kein Nachteil, da niedrige Rohproteingehalte die Aminosäuregehalte im Protein positiv beeinflussen. Eine rohproteinreduzierte Fütterung von Schweinen, die einen Aminosäurebedarf (z. B. Lysin) haben, wird dadurch erleichtert. Deshalb wurden auch Rohprotein-Orientierungswerte für die wichtigsten Futtergetreidearten definiert (Tabelle 1). Im Jahr 2021 liegen diese bei Gerste und Triticale wie gewünscht unterhalb des Orientierungswerts. Weizen liegt noch leicht darüber.
Tabelle 1: Orientierungswerte für Rohprotein in Futtergetreide für Schweine (Quelle: LfL, Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft)
Futter-GetreideartRohprotein g/kg Trockenfutter (88 % Trockenmasse)
Weizen110
Gerste, Triticale105
Eine Handschaufel voller Getreide wird in einen Eimer geleert.
Für die Erstellung von Schweinerationen sollten im Getreide aber grundsätzlich die Aminosäuren untersucht werden. Für die meisten Getreidearten können diese deshalb zuverlässig und kostengünstig im LKV-Futtermittellabor Bayern untersucht werden (NIR-Methode).

Energie und Rohfaser

Weizen hat den höchsten Energiegehalt (MJ ME Schwein). Er hat niedrige Rohfasergehalte und die Verdaulichkeit ist sehr gut. Triticale ist mit Weizen vergleichbar. Gerste hat fast den doppelten Rohfasergehalt wie Weizen und die Verdaulichkeit ist niedriger, was sich in dem geringeren Energiegehalt widerspiegelt. Für die Rohfaserversorgung in Zuchtsauenfütterung gibt es gesetzliche Vorgaben und deshalb sind rohfaserreiche Futtermittel fester Bestandteil in den Rationen. Aber auch in der Mastschweinfütterung wird vermehrt auf eine verbesserte Faserversorgung Wert gelegt. Aufgrund seines hohen Rohfasergehaltes wäre Hafer aus eigenem Anbau eine Alternative. Hafer ist auch wegen seiner Proteinzusammensetzung interessant. Bei einem niedrigen Rohproteingehalt weist er einen relativ hohen Aminosäuregehalt auf.
Tabelle 2: Ergebnisse Getreideernte 2021, LKV-Futterlabor Bayern, Auswertung aus webFuLab (bezogen auf 88 % Trockenmasse)
Trockenfutter (88 % Trockenmasse)Anzahl1) (N)Trockenmasse (g/kg)ME Schwein (MJ/kg)Rohprotein (g/kg)Rohfaser (g/kg)Lysin (g/kg)Phosphor (g/kg)
Weizen
Mittelwert (min.-max.)436/369/64
876
(840-895)
13,7
(13,3-13,8)
112
(82-156)
26
(22-40)
3,1
(2,6-4,1)
3,3
(2,5-4,1)
Tabellenwerte880 13,8 121 26 3,4 3,3
Gerste
Mittelwert (min.-max.)556/494/93 888
(849-907)
12,6
(12,3-13,0)
100
(72-134)
46
(25-61)
3,8
(3,1-4,6)
3,5
(2,9-4,1)
Tabellenwerte880 12,7 110 44 3,9 3,5
Triticale
Mittelwert (min.-max.)104/89/13
876
(857-894)
13,6
(13,2-13,7)
98
(76-121)
26
(22-30)
3,3
(2,9-4,7)
3,3
(2,7-5,8)
Tabellenwerte 88013,6106223,53,4
Hafer
Mittelwert (min.-max.)27/13/5
893
(874-912)
11,4
(11,0-11,7)
92
(77-112)
91
(79-110)
3,8
(3,4-5,0)
3,3
(3,0-3,9)
Tabellenwerte880 11,3 108 994,43,2
Roggen
Mittelwert (min.-max.)32/23/3
879
(866-892)
13,2
(12,9-13,3)
85
(64-118)
25
(19-42)
3,5
(3,0-4,3)
3,0
(2,9-3,1)
Tabellenwerte880 13,492203,4 2,9
1) Anzahl ausgewerteter Untersuchungen Rohnährstoffe/Aminosäuren/Mineralstoffe
Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse der Getreideernte 2021 lassen sich bezüglich der Futterhygiene folgendermaßen einordnen:
Ob die Futterhygiene für die Schweinefütterung passt, kann durch die Überprüfung des Mykotoxingehalts (z. B. Fusarientoxine DON und ZEA) und der mikrobiologischen Qualität (Keimgehalt, Schimmelpilze und Hefen) überprüft werden. Bei der Bewertung der Fusarienbelastung liegen Werte vor, die auf DON-Untersuchungen im Weizen basieren. Aufgrund der Witterung wurde oftmals eine höhere DON-Belastung erwartet. Diese konnte aber nicht festgestellt werden. Es wurden zwar vereinzelt auch hohe DON-Gehalte gemessen, aber 2021 kann nicht als "Fusarienjahr" bezeichnet werden.
Die mikrobiologische Qualität des Getreides wird durch den Gehalt an Keimen, Schimmelpilzen und Hefen bewertet. Leider liegen für die diesjährige Ernte zu wenige Ergebnisse vor, um eine Bewertung vorzunehmen. Grundsätzlich können die Keimgehalte im frisch geernteten Getreide erhöht sein. Bei einer sachgerechten Lagerung gehen die Gehalte aber zurück. Zu den Grundsätzen einer sachgerechten Lagerung gehören eine Reinigung vor der Einlagerung, die laufende Temperaturkontrolle, eine Belüftung mit Beachtung der Luftfeuchtigkeit der Belüftungsluft und eventuell die Kühlung mit einem Kühlgerät. Diese Grundsätze sind auch dem DLG-Merkblatt 425 "Getreide sicher lagern" zu entnehmen, welches im Internet abrufbar ist.

Getreide sicher lagern – Reinigen, Trocknen und Kühlen, DLG-Merkblatt 425 Externer Link

Fazit

  • Die Spannen der Untersuchungsergebnisse sind sehr groß. Deshalb ist die Untersuchung des eigenen Getreides notwendig und sinnvoll. Für eine funktionierende Rationsgestaltung in der Schweinefütterung müssen die Gehalte des eigenen Getreides bekannt sein, damit es zielgerichtet eingesetzt werden kann.
  • Die durchschnittlichen Rohproteingehalte waren im Jahr bei allen Getreidearten niedriger als im Vorjahr, mit Ausnahme von Weizen. Gerste und Triticale liegen sogar deutlich unter den Rohprotein-Orientierungswerten für Futtergetreide. Eine rohproteinreduzierte Fütterung wird dadurch erleichtert.
  • Die Belastung mit Fusarientoxinen (z. B. DON) im Weizen war 2021 als nicht auffällig eingestuft. Es wurden nur vereinzelt hohe Gehalte gemessen.
  • Zur Qualitätssicherung gehört eine sachgerechte Lagerung (siehe DLG-Merkblatt 425: Getreide sicher lagern).
Ausführliche Darstellung aller Inhaltsstoffe:

Getreideernteergebnisse 2021 xls 17 KB

Labore für Futteruntersuchung

Futteruntersuchung Nährstoffgehalte

LKV-Futterlabor Bayern
Professor-Zorn-Straße 20
85586 Poing-Grub
Tel.: 08161 8640-7509
Internet: Online-Futteruntersuchungsplattform webFuLab (LFL und LKV) Externer Link

Ansprechpartner sind das LKV-Labor Grub oder Ringberater (LKV).
Probenanmeldung und Ergebnisabruf auch über die Futteruntersuchungs-App LKV-Fulab (LKV) möglich:

App LKV-FuLab Externer Link

Futteruntersuchung mikrobiologische Qualität und Fusarienmykotoxine (DON und ZEA)

Labor Tiergesundheitsdienst (TGD) in Grub
Senator Gerauer-Straße 23
85586 Poing-Grub

Tel.: 089 9091-0
Internet: Tiergesundheitsdienst Bayern e.V. Externer Link

Ansprechpartner ist TGD-Tierarzt oder Ringberater (LKV)