Pressemitteilung – 19. Februar 2026, Ruhstorf a. d. Rott, Landkreis Passau
Europäische Auszeichnung für Direktvermarktungs-Projekt "Kleeberger Kistl"

Das "Kleeberger Kistl", ein Forschungsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zur kooperativen Direktvermarktung, ist im Rahmen des europäischen Projekts COREnet als "Golden Case" ausgezeichnet worden. Als einziges Beispiel aus Deutschland gehört das Vorhaben im niederbayerischen Markt Ruhstorf a. d. Rott damit zu einem ausgewählten Kreis europäischer Praxisbeispiele für erfolgreiche kurze Lebensmittelversorgungsketten. Das LfL-Projekt steht exemplarisch für funktionierende Direktvermarktung, regionale Wertschöpfung und innovative Vermarktungslösungen im ländlichen Raum.

Der Verkaufscontainer des Kleeberger Kistls von außen Zoombild vorhanden

Das "Kleeberger Kistl" ist als europäisches Vorzeigeprojekt ausgezeichnet worden (Foto: LfL).

Ausgangspunkt des Projekts war die Frage, wie landwirtschaftliche Betriebe Direktvermarktung effizienter organisieren können. Viele Direktvermarkter betreiben Verkaufsautomaten bislang allein – mit entsprechendem Aufwand für Investition, Befüllung und Organisation. Das 2022 gestartete LfL-Projekt in Ruhstorf verfolgt daher den Ansatz, Automaten nicht einzeln, sondern gemeinschaftlich zu betreiben. Untersucht werden technische, organisatorische und wirtschaftliche Aspekte dieser kooperativen Form der kontaktlosen Direktvermarktung sowie der Einsatz digitaler und automatisierter Selbstbedienungssysteme im 24-Stunden-Betrieb.

Zentrales Element des Projekts ist das 2023 eröffnete "Kleeberger Kistl", ein 18 Quadratmeter großer Verkaufscontainer mit Automatenverkauf und Vertrauenskasse. Zu Beginn beteiligten sich 15 Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter an der Kooperation, inzwischen sind es 21. Das Sortiment umfasst derzeit rund 95 verschiedene Produkte, die ausschließlich von landwirtschaftlichen Betrieben aus der Region stammen und im Durchschnitt aus 14 Kilometern Entfernung geliefert werden.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung, die noch bis Ende 2026 läuft, wurden bereits umfangreiche Praxisdaten erhoben. Dazu zählen unter anderem Daten aus dem laufenden Betrieb des "Kleeberger Kistls", etwa zu Organisation der Kooperation, Arbeitszeitbedarf, Kosten und Wirtschaftlichkeit, Sortiment, Marketingmaßnahmen sowie zum Einkaufsverhalten und Feedback von Kundinnen und Kunden. Ergänzt werden die Erhebungen durch Online-Befragungen und Experteninterviews mit bayerischen Direktvermarktern.

"Ziel des Projekts ist es, belastbare Entscheidungsgrundlagen und praxisnahe Handlungsempfehlungen über Möglichkeiten, Chancen und Grenzen der kooperativen Direktvermarktung für landwirtschaftliche Betriebe bereitzustellen. Über die europäische Auszeichnung freuen wir uns sehr, denn sie zeigt, dass unser Ansatz auch international als zukunftsweisend wahrgenommen wird", sagt Projektleiterin Dr. Sophia Goßner.

Der Verkaufscontainer des Kleeberger Kistls von außen

Das "Kleeberger Kistl" ist als europäisches Vorzeigeprojekt ausgezeichnet worden (Foto: LfL).

Bild in Originalgröße

Der Verkaufscontainer von innen.

Das Sortiment des "Kistls" umfasst derzeit rund 95 verschiedene Produkte (Foto: pedagrafie).

Bild in Originalgröße

Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ist das Wissens- und Dienstleistungszentrum für die Landwirtschaft in Bayern. Sie ist dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus unmittelbar nachgeordnet und erarbeitet Entscheidungsgrundlagen für Landwirte und Berater sowie die Politik und Verwaltung. Die Hauptstandorte der LfL sind Freising und Grub-Poing. Ihre Aufgabenfelder sind die anwendungsorientierte Forschung, die Ausbildung, die Beratung und der Hoheitsvollzug. Mit Ihrer Arbeit unterstützt die LfL eine nachhaltige und ressourcenschonende Landwirtschaft sowie eine vielfältige Kulturlandschaft.