Fazit LfL-Jahrestagung 2025: Wie kann Grünland optimal genutzt und erhalten werden?

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"Milch und Fleisch von Wiesen und Weiden" – unter diesem Motto stand die diesjährige Jahrestagung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) am 20. November in Grub bei Poing.

Rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen im Forum am LfL-Standort Grub zusammen, um mehr darüber zu erfahren, wie Grünland optimal genutzt und erhalten werden kann. Sechs Referentinnen und Referenten stellten Beiträge über aktuelle Strategien und zukünftige Perspektiven, produktive und innovative Grünlandbewirtschaftung bis hin zu den entscheidenden Stellschrauben für hohe Erträge und gute Qualität vor.

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LfL-Vizepräsidentin Dr. Annette Freibauer moderierte die Jahrestagung (Fotos: Birgit Gleixner, LfL).

LfL-Vizepräsidentin Dr. Annette Freibauer umriss gleich zu Beginn die Zielrichtung der Tagung: "Grünland soll eine effektive, attraktive Futterbasis für landwirtschaftliche Betriebe sein – und gleichzeitig soll die Nutzung die wertvollen Funktionen des Ökosystems bewahren. Um diese Erwartungen bestmöglich zu erfüllen, vereinen wir die Perspektiven von Forschern, Beratern und Praktikern".

Zukunftsfähige Grünlandnutzung in unserem Agrar- und Ernährungssystem

Prof. Dr. Johannes IsselsteinZoombild vorhanden

Prof. Dr. Johannes Isselstein

Prof. Dr. Johannes Isselstein von der Abteilung Graslandwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen erläuterte in seinem Vortrag die zukünftigen Perspektiven der Grünlandnutzung. Er stellte drei zentrale Leistungen des Grünlands vor: den Beitrag zur Vermeidung der Nahrungskonkurrenz zwischen Mensch und Nutztier, die Bedeutung für die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft sowie die Rolle des Grünlands im Zusammenhang mit Klimawirkungen. „Diese besonderen Eigenschaften des Grünlands zu stärken, ist das Ziel künftiger Landnutzung“, erklärte Prof. Isselstein. Dazu sei es notwendig, mögliche Nutzungsoptionen stets im Gesamtsystem aus landwirtschaftlichen Nutzflächen und Nutztierhaltung zu entwickeln und zu prüfen. Anhand verschiedener Forschungsbeispiele zeigte er auf, welche konkreten Ansätze derzeit untersucht werden. Dazu gehören unter anderem Studien zur Bedeutung von Grünland in der Fütterung von Milchkühen sowie zur Frage, wie sich das Weideverhalten der Tiere auf die Vielfalt der Pflanzenarten auswirkt.

Grünland in Wert setzen: Aktuelle Strategien und zukünftige Perspektiven zwischen Markt, LEH und Gesellschaft

Prof. Dr. Gesa BuschZoombild vorhanden

Prof. Dr. Gesa Busch

Wie Grünland sinnvoll genutzt werden kann und welche Aspekte dabei zu berücksichtigen sind, erläuterte Prof. Dr. Gesa Busch, Professorin für Food Consumption and Wellbeing an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. In ihrem Vortrag „Aktuelle Strategien und zukünftige Perspektiven zwischen Markt, LEH und Gesellschaft“ zeigte sie auf, welche Möglichkeiten sich für die Landwirtschaft ergeben, durch Weidehaltung eine höhere Akzeptanz in der Gesellschaft zu erreichen. Grünland bezeichnete sie als einen der wenigen Orte, an denen Nutztiere für die Bevölkerung noch unmittelbar sichtbar sind. Befragungen zufolge nennen Verbraucherinnen und Verbraucher die Weidehaltung als wichtigsten Ansatzpunkt, wenn es um Verbesserungen in der Haltung von Milchkühen geht. Grünland und Weidehaltung können daher als positiv besetzte „Visitenkarten“ der Landwirtschaft dienen und einen Zugang für den Austausch mit der Gesellschaft eröffnen.

Grünlandbewirtschaftung produktiv und innovativ gestalten

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Stephan Thurner

Für Stefan Thurner vom LfL-Institut für Landtechnik ist die Erfassung und Auswertung der Ertragsdaten Grundvoraussetzung für eine produktive und innovative Grünlandbewirtschaftung. "Ertragsdaten bieten die Möglichkeit, gezielt Maßnahmen zur Optimierung der Nutzungsintensität, der Bestandsführung und damit letztendlich der Ökonomik zu planen und durchzuführen", so Thurner. Als besonders gut umsetzbare Methode bezeichnete er die sensorgestützte Ertragserfassung mit dem selbstfahrenden Feldhäcksler. Sie erfordere nur wenig zusätzlichen Arbeitsaufwand und laufe weitgehend automatisiert ab. Eine Ertragsschätzung per Satellit könne zwar Vorteile bieten, vor allem bei einer teilflächenspezifischen Bewirtschaftung, sie sei in der Praxis bisher jedoch nur begrenzt verfügbar.

Entscheidende Stellschrauben für hohe Erträge und gute Qualitäten

Barbara MisthilgerZoombild vorhanden

Barbara Misthilger

Barbara Misthilger vom LfL-Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft widmete sich bei ihrem Vortrag den entscheidenden Stellschrauben, die für hohe Erträge und Qualitäten bei der Produktion von Silage verantwortlich sind. Im Mittelpunkt stand dabei der Umgang mit vermeidbaren Verlusten. „Verlustminimierung ist kein Hexenwerk – entscheidend ist die richtige Anwendung der Technik und der vorhandenen Mittel“, erklärte Misthilger. Im weiteren Verlauf betrachtete sie die verschiedenen Maßnahmen auf dem Feld, während der Ernte und im Lager, die zur Verbesserung der Silagequalität beitragen können. Ebenso betonte sie die Bedeutung eines konsequenten Controllings, denn: „Nur was man misst, kann man auch steuern und gezielt verbessern.“

Biodiversität und Effizienz – wie passt das zusammen?

Sabine ObermaierZoombild vorhanden

Sabine Obermaier

Das Spannungsfeld zwischen Biodiversität und Effizienz war Thema des Vortrags von Sabine Obermaier vom LfL-Institut für Agrarökologie. Trotz aller Herausforderungen für die Landwirtschaft ist ihr Fazit: "Biodiversität ist keine Konkurrenz zur Effizienz – langfristig ist sie ihre Voraussetzung. Nur dort, wo die Vielfalt mitgedacht wird, bleibt die Landwirtschaft langfristig produktiv, resilient und zukunftsfähig", so Sabine Obermaier. Als wesentliche Herausforderung nannte sie die praktische Umsetzung. Dazu gehören sowohl die Anpassung der Pflanzengesellschaften als auch eine vorausschauende Planung. Viele Betriebe müssten dafür ihr etabliertes Bewirtschaftungssystem anpassen, was kurzfristig zusätzlichen Aufwand und höhere Kosten mit sich bringen kann.

Wie lässt sich Grünland mit Rindern lohnend verwerten?

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Bernhard Ippenberger

Die lohnende Verwertung von Grünland mit Rindern untersuchte Bernhard Ippenberger vom LfL-Institut für Agrarökonomie in seinem Referat. Nach seinen Ausführungen sei weiterhin mit einem Strukturwandel zu rechnen: Künftig werde insgesamt weniger Grünlandfläche für die Rinderhaltung benötigt. Gleichzeitig lasse sich eine gewisse Zweiteilung beobachten. „Die Produktion findet entweder intensiv, also auf Effizienz ausgerichtet, oder extensiv unter Einbeziehung von Transferleistungen statt“, erläuterte Ippenberger. Die höheren Kosten der extensiven Bewirtschaftung oder höherer Tierwohlstandards müssten durch Transferleistungen oder höhere Produktpreise ausgeglichen werden. Entscheidend sei letztlich, dass jeder Betrieb prüfe, ob Zuschläge bei Milch oder Fleisch ausreichen, um diese Mehrkosten zu decken.

Podiumsgespräche

Nach der Mittagspause standen zwei Podiumsgespräche auf dem Programm: Eine Runde mit Wissenschaftlern der LfL, eine Runde mit landwirtschaftlichen Praktikern. Dr. Annette Freibauer, Vizepräsidentin Wissen der LfL, moderierte.

Podiumsgespräch Wissenschaft

Podiumsgespräch Wissenschaft auf der LfL-Jahrestagung 2025

"Automatisches Melksystem und Weide: Patentlösungen gibt es nicht. Jeder Betrieb ist anders. Wir brauchen Werkzeuge für den Einzelbetrieb!" (Dr. Jan Harms, LfL-Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft, links im Bild)

"Die bayerische Rinderzucht hat das für jede Anforderung passende Angebot für eine grünlandbasierte Milch- und Fleischerzeugung." (Dr. Johann Ertl, LfL-Institut für Tierzucht, 2. von links)

"Grünlandbestände sind einem hohem Anpassungsdruck ausgesetzt. Gezielte Arten- und Sortenwahl, also an die neuen regionalen Bedingungen angepasste Genetik, kann beitragen, Wirtschaftsgrünland resilienter zu machen und leistungsfähig zu erhalten. Hier werden auch neue Arten, beispielsweise Kräuter, interessant werden." (Dr. Stephan Hartmann, LfL-Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, 4. v. l.)

"Wir müssen die Nährstoffkreisläufe im Grünland- und Futterbaubetrieb quantifizieren und ständig weiter optimieren. Das ist kein Selbstzweck, sondern notwendige Basis für eine moderne effektive Beratung unserer bayerischen Betriebe." (Dr. Michael Diepolder, LfL-Institut für Agrarökologie und Biologischen Landbau, 5. v. l.)

"Nachhaltigkeit kann über Treibhausgas-Emissionen allein nicht ausreichend bewertet werden. Wir wollen den LfL-Klimacheck Milchkuh daher um weitere Aspekte der Nachhaltigkeit ergänzen." (Lorenz Maurer, LfL-Institut für Agrarökonomie, rechts im Bild)

Podiumsgespräch Beratung und Praxis

Podiumsgespräch Praxis auf der LfL-Jahrestagung 2025

"Im Ökolandbau steht Weidehaltung für ein arbeitserleichterndes Futterbausystem und ein emissionsreduziertes Düngesystem." (Ewald Pieringer, Naturland-Beratung, links im Bild)

"Ich stehe für eine professionelle Weidehaltung mit all ihren Vorteilen für die Landwirtschaft, Umwelt und Gesellschaft." (Siegfried Steinberger, LfL-Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft, 2. von links)

"Ich stehe für eine tiergerechte, umweltschonende, ressourcensparende und für die Familie arbeitssparende Milch- und Fleischproduktion." (Markus Dillinger, Milchviehbetrieb, Kurzrasenweide, Jungvieh auf der Almweide, 4. v. l.)

"Neben all den positiven Aspekten gibt es strukturelle, klimatische und arbeitswirtschaftliche Aspekte, die einzelbetrieblich gegen Weidehaltung sprechen können. Mit guter Beratung und Begleitung müssen betriebsindividuelle Hilfestellungen und Entscheidungen getroffen werden." (Andrea Landzettel – LKV, Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern, 5. v. l.)

"Aufgrund der sinkenden Tierbestände wird künftig immer weniger Grünlandfläche benötigt, der Überschuss an Grünlandfutter und Biogassubstrat wird daher zunehmen. Die Ausbreitung von giftigen Unkräutern im Grünland ist eine Herausforderung für die Zukunft." (Hans Lohr, Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern LKP, 2. v. r.)

"Die Maschinenringe unterstützen die Weidehalter organisatorisch und mit technischen Dienstleistungen, etwa beim Zaunbau oder der GPS-Ortung auf Almen. Auch bei der Bildung von Betriebspartnerschaften bieten sie Hilfe an." (Stefan Huber, Maschinenring Laufen, rechts im Bild)

Dr. Christina Jais

Dr. Christina Jais

Fazit
Dr. Christina Jais vom LfL-Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft in Grub hielt als Fazit der Tagung fest: "Die Weide genießt eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz. Mit geeigneten Weideverfahren kann sichergestellt werden, dass eine hohe Grundfutterleistung erreicht wird und die Landwirte hinsichtlich der Arbeitsbelastung entlastet werden. Die Tagungsbeiträge haben gezeigt, dass noch etliche Fragen in der Forschung offen sind und zusätzlich auch noch ein hoher Beratungsbedarf zur Umsetzung der Best-Practice-Verfahren besteht."
Rückblick Programm
  • Moderation: Dr. Annette Freibauer, Vizepräsidentin Wissen der LfL
  • ab 8.30 Uhr Ankommen zu Kaffee, Tee und Gebäck
  • 9.15 Uhr Eröffnung: Dr. Annette Freibauer, Vizepräsidentin Wissen der LfL

Inspirierende Vorträge

  • Zukunftsfähige Grünlandnutzung in unserem Agrar- und Ernährungssystem (Prof. Dr. Johannes Isselstein, Georg-August-Universität Göttingen, Abteilung Graslandwissenschaft)
  • Grünland in Wert setzen: Aktuelle Strategien und zukünftige Perspektiven zwischen Markt, LEH und Gesellschaft (Prof. Dr. Gesa Busch, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Professur für Food Consumption and Wellbeing)
  • 10.20 bis 10.50 Uhr Kaffeepause
  • Grünlandbewirtschaftung produktiv und innovativ gestalten (Stefan Thurner, LfL-Landtechnik)
  • Entscheidende Stellschrauben für hohe Erträge und gute Qualitäten (Barbara Misthilger, LfL-Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft)
  • Biodiversität und Effizienz – wie passt das zusammen? (Sabine Obermaier, LfL-Agrarökologie, Freising)
  • Wie lässt sich Grünland mit Rindern lohnend verwerten? (Bernhard Ippenberger, LfL-Agrarökonomie)
  • 12.15 Uhr bis 13.15 Uhr Mittagspause

Podiumsgespräch Wissenschaft

  • Die optimale Wiesen- und Weidekuh (Dr. Johann Ertl, LfL-Tierzucht)
  • Automatisches Melksystem und Weide – eine spannende Kombination! (Dr. Jan Harms, LfL-Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft)
  • Nachhaltigkeit der Milch- und Fleischerzeugung von Grünland (Lorenz Maurer, LfL-Agrarökonomie)
  • Mit Arten- und Sortenwahl Grünland resilient machen (Dr. Stephan Hartmann, LfL-Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung)
  • Grünland effizient düngen (Dr. Michael Diepolder, LfL-Agrarökologie)
  • 14.15 Uhr bis 14.45 Kaffeepause

Podiumsgespräch Beratung und Praxis: Mehr Weide erfolgreich umsetzen

  • Markus Dillinger – Milchviehbetrieb, Kurzrasenweide, Jungvieh auf Almweide
  • Lorenz Kratzer – Mutterkuhbetrieb, Daschingerhof, Freisinger Moos Weiderind
  • Siegfried Steinberger – LfL-Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft
  • Ewald Pieringer – Naturland-Beratung
  • Stefan Huber – Maschinenring Laufen e.V.
  • Hans Lohr – LKP, Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern
  • Andrea Landzettel – LKV, Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern
  • Schlusswort (Dr. Christina Jais, LfL-Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft)
  • 16.30 Uhr Ende der Veranstaltung