Forschungs- und Innovationsprojekt
Reallabor an Rott und Inn

Weißes Logo auf grünem Hintergrund

Wo Wissen Wurzeln schlägt.

Auf Grundlage des Zukunftsvertrags Landwirtschaft startete im Herbst 2025 am LfL Standort Ruhstorf a. d. Rott das vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geförderte Living Lab "Reallabor an Rott und Inn“ im Einzugsbereich der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) an Rott und Inn.
Mit dem Ziel, die Ertragssicherheit und Resilienz im Ackerbau zu steigern, wird ein gemeinsamer Entwicklungsprozess mit Praxis, Wissenschaft und weiteren Akteuren angestoßen. Als Verbindungsstück zwischen den regionalen und überregionalen Akteuren agiert das Reallabor als ''Motor'' einer nachhaltigen Transformation des Ackerbaus mit Vorbildcharakter.

Hintergrund

Zunehmende Wetterextreme, steigende Anforderungen im Pflanzenschutz und Schwankungen auf den Agrarmärkten setzen den bayerischen Ackerbau unter Druck. Gleichzeitig erschweren Regulierungen und gesellschaftliche Erwartungen die wirtschaftliche Planung vieler landwirtschaftlicher Betriebe.

Ziele und Motivation

In Zusammenarbeit mit den Projektpartnern Universität Passau und Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) sollen bisherige Erkenntnisse aus Forschung und Praxis auf den Flächen der landwirtschaftlichen Betriebe Anwendung finden, sowie die Vernetzung zwischen den verschiedenen regionalen Interessensgruppen, den sogenannten Stakeholdern, gestärkt und ausgebaut werden.

Das Hauptziel des Reallabors an Rott und Inn besteht darin, die Ertragssicherheit und Resilienz im Ackerbau zu steigern. Am LfL-Standort Ruhstorf und darüber hinaus wurden zu diesem Themenkomplex langjährige Versuchsinfrastrukturen und weitere Projektformate etabliert, aus denen wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen wurden. Diese fließen im Reallabor in einen Co-Creation-Prozess mit Landwirten, Beratern, Verbänden und Vertretern der Wertschöpfungskette ein. Das Ergebnis ist ein ackerbauliches Maßnahmenportfolio, verbunden mit Werkzeugen zum Risikomanagement. Auf Demobetrieben erfolgt der Praxistest als Voraussetzung für die Skalierung in die Fläche.

Methode

Das Reallabor ist ein räumlich begrenzter Testraum, in dem innovative Praktiken unter realen Bedingungen erprobt werden. Dabei geht der Forschungsansatz über die reine Einrichtung von Demobetriebsnetzen hinaus: Die Ausrichtung des Projekts kann aktiv von den regionalen Stakeholdern, insbesondere den Landwirten des Reallabors, mitgestaltet werden. Ein weiteres Kernelement ist das multimethodische Vorgehen. Dieser Aspekt wird in Kooperation mit der HSWT im Bereich der Analyse regionaler Wertschöpfungsketten sowie der Universität Passau mit Fokus auf eine soziologische Perspektive auf Wissen als Entscheidungsgrundlage realisiert. Zudem besteht eine Zusammenarbeit mit örtlichen landwirtschaftlichen Vereinen (Ringe junger Landfrauen und Landwirte) und der ILE an Rott und Inn, um die Wirkung und Reichweite des Reallabors zu stärken. Es werden keine Exaktversuche im Sinne standardisierter Versuchsdesigns durchgeführt.
Im Jahr 2026 testen 19 Betriebe Reallabormaßnahmen auf ihren eigenen Flächen. So werden die Flächen zu Demoanlagen, auf denen sich die Tauglichkeit der Maßnahmen im Praxistest zeigt.

Demoanlagen:

  • Rispenhirse
  • Soja Zweitfrucht im Direktsaatverfahren
  • Soja Zweitfrucht im Strip-Till Verfahren
  • Strip-Till zu Silomais im Futterbaubetrieb
  • Begrünung von Abflusswegen mit winterharten Zwischenfrüchten vor Silomais
  • Planting Green von Winterungen im Ökobetrieb
  • Spot Spraying mit drohnenbasierter Applikationskarte
  • Hebizidmanagement Soja in Direktsaat in Grünroggen
  • Biodiversitätsmaßnahme mit Doppelmessermähwerk im Grünland
  • Direktsaat von Zwischenfrüchten und Winterungen
  • Soja Zweitfrucht in Direktsaatverfahren
  • Wirksame Strategien zur Maiswurzelbohrerbekämpfung
  • Planting Green Direktsaat von Körnermais im Ökobetrieb
  • Planting Green Direktsaat von Soja im Ökobetrieb
  • Teilflächenspezifische N-Düngung
  • Strip-Till Körnermais
  • Parapflugeinsatz zur Erosionsminderung
  • Sklerotiniabekämpfung im Sojaanbau
  • Impfstrategien bei Sojabohnen

Ergebnisse

Zu erwartende Erkenntnisgewinne erstrecken sich über folgende Themenbereiche:

  • Ertragsstabiler Ackerbau unter Klimaextremen
  • Anwendbares betriebliches Risikomanagement
  • Ressourcenschutz und Biodiversität
  • Reduzierung Pflanzenschutzmitteleinsatz
  • Stärkung des Ackerbaustandortes Bayern
  • Vernetzung von Produzenten und Konsumenten
  • Resiliente regionale Wertschöpfungsketten
  • Wissensgrundlagen betrieblichen Entscheidens
Zudem werden Erkenntnisse gesammelt, um zukünftig Forschungsinnovationen leichter in der Praxis etablieren zu können.

Drei Bilder von Traktoren während der Arbeit in verschiedenen Perspektiven

Projektinformation
Projektleitung: Dr. Markus Gandorfer
Projektkoordination: Mirjam Rieger
Projektteam: Alexandra Mühlbauer, Liliia Köster, Daniel Krank, Lukas Gasser, Eva Resl, Christian Meier, Eva-Maria Brunlehner, Julia Saller, Florian Ebertseder, Johannes Burmeister, Michael Koy, Andrea Winterling, Dr. Peer Urbatzka, Ulla Konradl, Dr. Beat Vinzent, Peter Reutter, PD Dr. Katrin Hirte, Bianca Bär, Klara Brachmann, Hakon Albers, Julius Tischer, Sophie Henninger
Laufzeit: 01.10.2025 bis 30.09.2029
Projektpartner: Prof. Anna Henkel, Lehrstuhl für Soziologie mit Schwerpunkt Techniksoziologie und nachhaltige Entwicklung, Universität Passau Prof. Gesa Busch, Professur für Food Consumption and Wellbeing, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: A/25/06

Anfragen unter:
Tel.: 08161 8640-4650
E-Mail: reallabor@lfl.bayern.de