Erforschung von Erbfehlern und neuen Merkmalen (Schweinezucht)

Piétrain-Eber Metzel, Foto: Bayern Genetik

Pietrain-Eber Metzel, Foto: Bayern Genetik

Unter dem Akronym InGeniS (Integrierte genomische Forschung und Anwendung in der bayerischen Schweinezucht) soll die Genomforschung beim Schwein in Bayern auf eine neue Ebene gehoben werden. Das Forschungsprogramm der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), der Tierzuchtforschung e.V. (Grub) und der Technischen Universität München (TUM) konzentriert sich auf drei Schwerpunkte.

Im ersten Teilprojekt wird eine genomische Zuchtwertschätzung für die bedeutendste Vaterrasse Piétrain enwickelt. Hierzu wird eine auch im internationalen Maßstab enorm große Kalibrierungsstichprobe für diese Rasse mit rund 2.400 Tieren aufgebaut. Ein zweites Teilprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, für die Rassen Piétrain und Deutsche Landrasse die Genomsequenzen der 30 wichtigsten Vorfahren pro Rasse zu erstellen.
Diese werden in einem dritten Teilprojekt zur Entwicklung von neuen Methoden zur Erbfehlerbekämpfung sowie zur züchterischen Bearbeitung innovativer Merkmale genutzt.

Zielsetzung

Primäres Ziel des Verbundprojektes ist die Verbesserung der Wettbewerbsstellung bayerischer Schweinezüchter im nationalen und internationalen Wettbewerb. Darüber hinaus ist die InGeniS-Forschergruppe davon überzeugt, dass nur durch den massiven Einsatz genomischer Methoden die gesellschaftlichen Erwartungen an eine ethisch vertretbare Tierhaltung nachhaltig erfüllt werden können.

Methode

Um die Informationsdichte zu erhöhen, werden die Forscher aus den Genotypen von fast 5.000 bayerischen Zuchtschweinen und den Sequenzen der wichtigsten Gründertiere zweier Rassen eine Hochrechnung von 5.000 Genomsequenzen durchführen. Diese auch als "Imputation" bezeichnete Hochrechnung hat sich im Humanbereich und bei Rindern als sehr zuverlässige Methode erwiesen. Die Projektteilnehmer versprechen sich davon einen Durchbruch bei der Erbfehlerbekämpfung und verbesserte Ansätze zur Zucht gegen Ebergeruch oder zur züchterischen Beeinflussung des Tierverhaltens. Am Ende des Projektes sollen alle Erkenntnisse in einer Zuchtplanung für die bayerischen Schweinezucht zusammengeführt werden, und die Grundlage eines erneuerten Zuchtprogramms für bayerische Piétrain und Deutsche Landrasse bilden.

Projektunterstützung und Finanzierung

Das Projekt wird unterstützt und finanziert von den bayerischen Schweinezucht- und besamungsorganisationen, von der Tierzuchtforschung e.V. in Grub sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Insgesamt hat das Projekt ein Volumen von über 500.000 Euro und eine Laufzeit von drei Jahren.

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