Einzeltierfütterung für Ferkel - Erfahrungsbericht aus Schwarzenau

Technische Station in einem Ferkelstall

Futterabrufstation für Ferkel

Am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum Schwarzenau wurden deutschlandweit die ersten Abrufstationen für Ferkel in Betrieb genommen. Ohne viel Handarbeit und Wiegeaufwand lässt sich mit diesen Stationen die tägliche Futteraufnahme für das Einzeltier im Bereich von 8 bis 30 kg Lebendmasse erfassen. Bei den Abrufstationen handelt es sich um Modifikationen der Abrufstationen für die Mastleistungsprüfung, die sich in den Versuchsanstalten bewährt haben.
Auffälligste Änderung gegenüber der Mastabrufstation ist neben der Größe eine orangefarbene Rampe. Durch diese haben die frisch abgesetzten und kleinen Ferkel einen ungehinderten Zugang zum Trog. Auf eine integrierte Tierverwiegung wie sie bei den Maststationen üblich ist, wurde bei den Ferkelstationen verzichtet. Denn auch bei den Maststationen sind erst ab ca. 60 kg Lebendmasse verlässliche Werte verfügbar.

Vor der Einstallung werden die Tiere mit einem speziellen Transponder markiert. Betritt nun ein Ferkel die Station, wird es mit einer Antenne erkannt und der Futtertrog samt Inhalt verwogen. Das gleiche geschieht auch nach Beendigung des Fressvorganges. Aus der Differenz Trog plus Futter vor und nach dem Fressen wird die Futteraufnahme für den Besuch errechnet. Die Futteraufnahmen aller Besuche während eines Tages ergeben die Futteraufnahme pro Tier und Tag.

Abteile für Ferkelfütterungsversuche

Schweine in einem Stall

Abteil mit Abrufstation

Schweine in einem Stall

Abteil mit Gruppenfütterung

Abteil mit Gruppenfütterung (Spot-Mix)

Trog mit Sensor bei Spot-Mix-Fütterung
Neben den 8 Ferkelabrufstationen für 4 Behandlungsgruppen steht in Schwarzenau noch ein Stallabteil mit 16 Buchten für Ferkelfütterungsversuche zur Verfügung. Dieses Abteil ist konventionell ausgestattet. Das Futter wird dort mit einer sogenannten Spot-Mix-Anlage zugeteilt. Dabei wird das Futter für jede Bucht bzw. für jedes einzelne Ventil an der Spotmixanlage in der Futterzentrale verwogen und mit Druckluft ins Abteil geblasen. Kurz vor dem Ventil wird Wasser zugesetzt und der Futterbrei in einen Quertrog mit Sensor ausdosiert. Sobald die Tröge leergefressen sind meldet dies der Sensor an die Fütterungsanlage und es wird nachgefüttert.

In diesem Abteil wurden seit Herbst 2009 zahlreiche Fütterungsversuche mit Ferkeln erfolgreich durchgeführt. Zwei separate Futterkreisläufe erlauben, dass jeweils zwei verschiedene Futtertypen miteinander verglichen werden können.

Anzumerken ist, dass die Spot-Mix-Fütterung eine in der Praxis verbreitete Fütterungstechnik ist und nicht speziell für Fütterungsversuche konzipiert wurde

Technikvergleich: Abrufstation - Gruppenfütterung (Spot-Mix)

In einem Fütterungsversuch mit verschiedenen Säurezusätzen wurden die zu testenden Futtermischungen sowohl an den Abrufstationen als auch in der Gruppenfütterung getestet. Die an den Abrufstationen und in der Gruppenfütterung eingesetzten Futtermischungen sollten sich bezüglich der Energie- und Nährstoffkonzentrationen nicht unterscheiden. Da in Schwarzenau keine funktionsfähige Pelletieranlage mehr existiert, wurde das Futter, das an den Abrufstationen zum Einsatz kam, in Grub pelletiert. Um den logistischen Aufwand so gering wie möglich zu halten, kamen die an den jeweiligen Standorten vorhandenen Futterkomponenten zum Einsatz. Bei den Abrufstationen kam der in Grub übliche Soja 43, in der Gruppenfütterung der in Schwarzenau vorhandene Soja 48 zum Einsatz und ebenso das standortübliche Getreide. Das Mineralfutter sowie die Säurengemische stammten aus derselben Charge des jeweiligen Herstellers.
Die Rationen waren über alle Behandlungen gleich aufgebaut und innerhalb der Phasen nährstoffgleich gestaltet. Die Unterschiede zwischen dem „Einzeltierfutter“ aus Grub und dem „Gruppenfutter“ aus Schwarzenau waren minimal. Ein Vergleich zwischen Einzeltierfütterung und Gruppenfütterung bot sich somit an.

Ausführlicher Versuchsbericht: Einzeltier- und Gruppenfütterung beim Ferkel pdf 131 KB

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