Situation Grünland 2026: Von Anfang an schwierig
Foto: Stephan Hartmann
Witterungsbedingungen
Der Winter 2025/2026 war im Gegensatz zu den Vorjahren, von einem längeren Vegetationsstillstand geprägt. Bereits Ende November wurden sehr frostige Nächte mit bis zu 10°C registriert. Auswinterungsschäden wurden jedoch kaum beobachtet. Die Niederschläge über den Winter waren bis in den März hinein ausreichend. In den folgenden Monaten nahm die Bodenfeuchte durch zu geringen Niederschlag – im Mai/Juni verstärkt durch sehr hohe Temperaturen - in ganz Bayern stetig ab. In Franken, Teilen des Bayerischen Waldes und in Windschattengebieten der Oberpfalz war dieser Effekt am stärksten.
Situation zu Beginn des Jahres:
- Je nach Wasserversorgung bis zum ersten Schnitt konnte dieser in üblicher häufig in deutlich unterdurchschnittlicher Höhe geerntet werden. Durch die geringen Niederschläge war das Ausbringen der Güllegaben wegen meist guter Befahrbarkeit wenig problematisch.
- Auch das Süd-Nord-Gefälle in der Verteilung der Problemgebiete ist mittlerweile vertraut. Bereits der erste Schnitt lag damit im Mittel auf einem für ganz Bayern unterdurchschnittlichen Ertragsniveau.
- Die Grünlandnarben zeigten in den letzten Jahren oft - nach dann doch noch hinreichend fallenden Niederschlag – ihr Regenerations- und Ertragskompensationsvermögen.
Aktuelle Verteilung der Schnitthäufigkeiten in 2025 und der Vergleich zum Vorjahr

Ertragssituation: A: Jahreserträge 2025; B: Erträge 2026 bis Juli; C: Differenz A - B

Aktuelle Situation und Ausblick:
- Es gibt weite Strecken entlang der Straßen Frankens, an denen kein Farbwechsel zwischen abgeernteter Getreidestoppel und der Grasnarbe am Feldrand wahrnehmbar ist.
- Mais ist nicht selten hüfthoch, blattarm und der Kolben oft fehlend. Teilweise sieht man am Rand bereits erste beerntete Reihen. Hier wird Futterknappheit augenfällig sichtbar.
- Sieht man aber auf die Differenz der Erträge z.B. zu den Erträgen des letzten Jahres ist die Lage in Franken sehr ernst, aber die Verluste sind absolut und relativ im Bayerischen Wald, weiten Teilen Oberbayerns und Schwaben also weiten Teilen des sogenannten Grünlandgürtels Bayerns deutlich höher. Hier treffen sie jedoch auf deutlich höhere Viehzahlen und -dichten als in Franken.
- In diesen Gebieten kann also auf Grund des höheren regionalen Gesamtbedarfs sogar eher eine Futterknappheit spürbar werden.
- Der mehrjährige Feldfutterbau folgt den intensiven Dauergrünlandflächen auf ertraglich ein wenig höherem Niveau. Luzernebestände im zweiten und dritten Hauptnutzungsjahr – mit ihren dann tief reichenden Wurzeln – heben sich davon positiv ab.
- Die Vegetation ist jetzt schon weit fortgeschritten, so dass selbst wenn es ab sofort nun sehr gute Bedingungen herrschen würden, gibt es keinen Weg die Ertragsdefizite im Grünland oder Feldfutterbau aufzuholen.
Lösungen
Es bleibt dann - bei wieder verfügbarem Wasser – also Regen, der auch in den Boden einsickert und nicht am trockenen Boden abperlt und oberirdisch abfließt, noch Raps und Rübsen. Wenn dann auch dieses Zeitfenster ohne hinreichend Wasser verstreicht, bleibt dann die Hoffnung auf das nächste Jahr also die Wahl einer Winterzwischenfrucht (z.B. Welsches Weidelgras, Grünroggen, Inkarnatklee oder Winterwicke), die eine frühe Ernte verspricht, um die früh geöffneten Futterreserven ablösen zu können, bevor die neue Vegetation dann endgültig Entlastung bringen muss.
Was die einzelbetriebliche Lösung auch sein wird, es wird immer eine Kombination sein aus:
- Anbau orientiert an Bedarf für das Vieh und je nach Lage eines "Risikoanbaus"
- einem damit zu früher vergrößertem Lagerbedarf für die Konservate
- einer sinnvollen/wirtschaftlichen Zweitverwertung der "älteren" nicht benötigten Konservate
Diese wie auch alle anderen Lösungen, die betriebliche Sicherheit bringen sollen, kosten jedoch Geld, Umdenken und Anpassung der betrieblichen Arbeitsprozesse. Das bedeutet es sollte für jeden Betrieb nach einer eigenen für ihn passende Lösung erarbeitet worden sein.
Und nüchtern mit Blick auf die aktuelle Situation betrachtet: Welche Alternative hierzu wäre vorhanden? Am Ende bewahrheitet sich der Satz: „Jede Versicherung kostet ihr Geld“.

