Arbeitsgruppe (AG): Senioren auf dem Bauernhof im Rahmen der Sozialen Landwirtschaft
Foto: Doliwa
Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) betreute von 2014 bis 2016 das "Forum Diversifizierung". Das Projekt hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Landwirte/Landwirtinnen mit dem Erstellen praxisorientierter Unterlagen beim Aufbau zusätzlicher Einkommensstandbeine zu unterstützen. Eine Arbeitsgruppe (AG) des Forums bearbeitete das Themenfeld "Soziale Landwirtschaft".
Zielsetzung der AG
Ältere Menschen als Zielgruppe
Das Altern ist ein Prozess, der individuell sehr unterschiedlich verläuft. Kognitive, motorische oder sensorische Einschränkungen können im Alterungsprozess auftreten, ihn begleiten und zu einem Hilfebedarf führen. Deshalb lässt sich die Zielgruppe der Senioren/Seniorinnen nicht einheitlich beschreiben bzw. abgrenzen. So gibt es eine Vielzahl von Altersbildern, die nebeneinander stehen, sich auch verändern können und differenziert zu betrachten sind.
Geeignete Angebotsformen für den bäuerlichen Familienbetrieb
Die Angebotsvielfalt ist groß. Von der AG wurden acht Angebotsformen mit unterschiedlichem Ressourcenbedarf ausgewählt, die für den landwirtschaftlichen Betrieb geeignet erscheinen. Für diese Angebotsformen wurden die Einstiegsvoraussetzungen in Form von Steckbriefen erarbeitet. Dabei wurden vorrangig Angebotsformen ausgewählt, die überwiegend ohne (alten-)pflegerische Fachqualifikation ausgeübt werden können. Die Wohnformen können auf Zeit, aber auch auf Dauer angelegt sein.
- In eigenen abgeschlossenen Wohnungen mit Gemeinschaftsräumen lebend:
- Betreutes Wohnen von Senioren auf dem Bauernhof (Appartements)
- Seniorenhausgemeinschaft (Wohnungen mit mehreren Zimmern)
- In einer gemeinsamen Wohnung lebend:
- Seniorenwohngemeinschaft
- Ambulant betreute Wohngemeinschaft
- Zeitlich begrenzte Aufenthalte auf dem Bauernhof:
- Urlaub auf dem Bauernhof mit pflege- und/oder betreuungsbedürftigen Angehörigen
- Niedrigschwellige Angebote für Betreuungsgruppen mit dem Landwirt/der Landwirtin als Anbieter/in
- Niedrigschwellige Angebote für Betreuungsgruppen mit dem Landwirt/der Landwirtin als Vermieter/in von Räumlichkeiten
- Erlebnisorientierte Angebote für Senioren auf dem Bauernhof
Zoombild vorhanden
mögliche Leistungsspektren bei verschiedenen Angebotsformen
Mit Ausnahme der meisten erlebnisorientierten Angebote treten der Landwirt/die Landwirtin dabei immer als Vermieter/in auf. Darüber hinaus können vom Nutzer frei wählbare Serviceleistungen wie z. B. Betreuung, hauswirtschaftliche Versorgung, Verpflegung, Hausmeister- und Vermittlungstätigkeiten übernommen werden, wenn die bäuerliche Familie dazu die nötige freie Arbeitskapazität hat. Je nach Vereinbarung ist für fittere ältere Menschen auch eine Mithilfe im Betrieb möglich.
Ressourcenbedarf der Wohnformen im Vergleich
Zoombild vorhanden
Ressourcenbedarf für Wohnformen auf Dauer im Vergleich
Ein hoher Wohnflächenbedarf trifft besonders auf das Angebot "Seniorenhausgemeinschaft" zu. Mit Ausnahme des Betreuten Wohnens als Angebotsform übernimmt der Landwirt/die Landwirtin bei diesen Wohnformen vorrangig die Vermieterrolle. Sie erfordert eine vergleichsweise geringe freie Arbeitskapazität. Bei genügend freier Arbeitskapazität sowie vorhandenem handwerklichen und hauswirtschaftlichen Kompetenzen können jedoch weitere Dienstleistungstätigkeiten übernommen werden.
Zoombild vorhanden
Ressourcenbedarf für Wohnformen auf Zeit im Vergleich
Bei den niedrigschwelligen Angeboten für Betreuungsgruppen und den erlebnisorientierten Angeboten reichen als barrierefreie Mindestausstattung ein Aufenthaltsraum, Sanitäranlagen, eine Küche und ein Zugang zum Garten aus. Der Wohnflächenbedarf ist also vergleichsweise gering. Der Arbeitszeitaufwand hängt bei den erlebnisorientierten Angeboten davon ab, wie häufig und mit welchem Aufwand (Führung contra Erlebnisprogramm, Gruppengröße) sie durchgeführt werden.
Das heißt, neben der Angebotsform kann die betriebsspezifische Gestaltung des jeweiligen Dienstleistungsangebots den Ressourcenbedarf mehr oder weniger stark beeinflussen. Jede(r) Einsteiger/in in diesen Betriebszweig sollte deshalb das eigene Angebot sehr gut auf die vorhandenen betrieblichen Ressourcen abstimmen.
Arbeitsergebnisse
Ansprechpartnerin
Theresia Nüßlein
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Agrarökonomie
Hans-Loher-Str. 32, 94099 Ruhstorf a.d.Rott
Tel.: 08161 8640-4639
E-Mail: Diversifizierung-IBA@LfL.bayern.de

